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Thuy-Han Nguyen-Chi: Into The Violet Belly, 2022, film still, © Thuy-Han Nguyen-Chi
Recommendation

Mensch Maschine – Über unsichere Landschaften und die Anarchie der Seele

Gespräche, Präsentationen, Konzert, Buchpräsentation

Freitag, 28.6., 19 Uhr, Akademie der Künste, Hanseatenweg, Studiofoyer

Ein Abend mit Gesprächen, Künstlerischen Präsentationen, Konzert und Buchpräsentation. Im ersten Teil wird das AI Anarchies Book als Abschluss des künstlerischen Programms vorgestellt, das von 2022–2023 zum Thema Künstliche Intelligenz und Ethik stattfand. Im zweiten Teil des Abends präsentieren und diskutieren aktuelle Stipendiat*innen und Juror*innen des Programms Mensch Maschine künstlerische Konzepte und Strategien.

Programm

19 Uhr
Begrüßung: Anh-Linh Ngo, Vizepräsident der Akademie der Künste, Berlin

Teil 1

The AI Anarchies Book
Buchpräsentation & Gespräch: Elise Misao Hunchuck, Tiara Roxanne, Siegfried Zielinski
Moderation: Clara Herrmann & Petja Ivanova

AI Anarchies – als Stipendienprogramm (2022–2023), als Schule und nun auch als Buch – fokussiert auf Künstliche Intelligenz und Ethik. Künstler*innen setzten sich mit den ethischen Problemen von KI auseinander, schon lange bevor KI als junge technologische Disziplin im Amerika der Mittfünfziger Jahre in einem experimentellen Forschungsworkshop entstand. „Anarchien“ werden mit Störung und Chaos assoziiert, wurden im Kontext des Programms aber genutzt, wie Maya Indira Ganesh in ihrer im AI Anarchies Book veröffentlichten Reflexion beschreibt, „um politische Experimente und Kritik in den Fokus zu rücken, als Widerstand sowie als Neugestaltung unserer Situation als Menschen in einer datengesteuerten Welt durch alternative Geschichten, Berichte und Zukunftsaussichten“.

In einem kurzen Gespräch blicken Elise Misao Hunchuck, Mitherausgeberin des AI Anarchies Book, Tiara Roxanne, Teilnehmerin/Sprecherin der AI Anarchies School und Siegfried Zielinski, Mitglied des künstlerisch-wissenschaftlichen Beirats von AI Anarchies zurück auf „Common Grounds“. Mit welchen kleinen Anarchien konnten wir in bestehende Glaubenssysteme intervenieren?

19.50 Uhr
TRANSIENT #5
Konzert: Pedro Oliveira (Mel-Filterbank, Elektronik) und Gugulethu Duma (Stimme, Elektronik)

Mit ihrer Performance beschwören Gugulethu und Pedro Texturen, die sie in und durch viele verschiedene Aktivierungen eines Filters weben – eine Reproduktion der Filterbank gegenwärtig präsent zugleich in dem 1964 „Subhachord II“ Synthesizer aus der DDR und in der BAMF Dialekterkennungssoftware (in Gebrauch seit 2017) –, um materielle, haptische und klangliche wie auch politische Qualitäten zum Vorschein zu bringen.

Pause

Teil 2

20.15 Uhr
Einleitung: Clara Herrmann, Leiterin JUNGE AKADEMIE & Helen Turner, künstlerische Direktorin E-WERK Luckenwalde

Das komplexe Verhältnis von Mensch und Maschine ist Sujet der Kunst seit der Industrialisierung. Das Mensch-Maschine-Programm unterstützt internationale aufstrebende Künstler*innen, die digitale Technologien, das Anthropozän und/oder Künstliche Intelligenz im weitesten Sinne behandeln; die insbesondere die westliche Fortschrittsgeschichte sowie Dualismen wie das „Künstliche“ und das „Natürliche“ infrage stellen; die neue Denkmuster, Erzählungen und Weltzugänge im Kontext des Themas ermöglichen und dringliche Aspekte der heutigen Situation der Gesellschaft und des Planeten erforschen.

Klimanotstand und Kriege fördern derzeit dystopische Szenarien sowie künstlerische Forschungen zur Sichtbarmachung von Zerstörung, aber auch zum Konzept von Empathie und zu Strategien des Erinnerns oder der Darstellung von Leben und Wachstum im Kontext digitaler Technologien.

20.20 Uhr
On Demining Technologies and Never-ending Wars
Präsentation: Maithu Bùi

Maithu Bùi ist ein*e Forschungsaktivist*in und Künstler*in. In ihrem aktuellen Projekt untersucht Maithu Prozesse der Minenräumung und die Ausbeutung marginalisierter Lebewesen und Technologien bei der Entfernung von Minen und explosiven Kriegsresten sowie deren Umweltauswirkungen. In dystopischen gegenwärtigen und zukünftigen Szenarien wird dabei der Einsatz von KI/ML, bioingenieerten biolumineszenten Organismen, Robotern und die Marginalisierung von Gruppen, die an der Erkennung und Umwandlung von Sprengstoffen beteiligt sind, erforscht.

20.35 Uhr
Map-making Machine
Präsentation: Sonya Isupova

Sofia Isupovas aktuelle Projekte erforschen die Konzepte der Postkolonialität, der Territorialität und der Dichotomie dessen, was eine Karte und das Mapping in einer unsicheren Welt ausmacht. Ihr Schwerpunkt liegt in der Fusion von visueller Kunst, Technologie und kollaborativer Praxis durch Maschinen. Sie entwickelte eine Maschine, einen metaphorischen Satelliten, der über dem Land schwebt und die Daten mit einer begrenzten Genauigkeit kartiert. Die Maschine zeigt Bäume, Felder und Hecken, Leben und Wachstum, Erholung und Erneuerung in der Ukraine.

Im Anschluss: Künstler*innengespräch mit Maithu Bùi und Sonya Isupova
Moderation: Sinthujan Varatarajah

சிந்துஜன் வரதராஜா (Sinthujan Varatharajah) ist ein*e unabhängige*r Forscher*in und Essayist*in in Berlin. Ihr Fokus liegt auf Staatenlosigkeit, Mobilität und Geografien der Macht mit einem speziellen Augenmerk auf Infrastruktur, Logistik und Architektur.

21.10 Uhr
A certain Anarchy of the Soul
Präsentation: Franziska Aigner

Franziska Aigner & Thuy-Han Nguyen-Chi untersuchen die erkenntnistheoretischen, ästhetischen und politischen Möglichkeiten des Choreo-Kinos aus der Perspektive eines gemeinsamen Blickwinkels – eines vom Künstlerinnen-Duo zusammengestellten Archivs des Verlusts. Die in diesem Archiv zusammengetragenen Bilder reichen von persönlichen Erinnerungen bis hin zu vermittelten historischen Erzählungen und dienen als Ausgangspunkt, von dem aus man sich erinnern und vorstellen, spekulieren und träumen kann. Für das Mensch-Maschine-Symposium wird Franziska Aigner Reflexionen an der Schnittstelle von Technik, Erinnerung und Autorität kombinieren und präsentieren.

21.30 Uhr
Empathy Machine
Präsentation: HSURAE

HSURAE ist Künstler*in und Pädagog*in. HSURAEs Praxis umfasst das Konzept der Latenz innerhalb der Natur und ihrer Konstruktionen. Anstatt auf Enthüllung oder Beschleunigung hinzuarbeiten, findet HSURAE kleine Freuden in der Unbestimmtheit, die latenter Raum und latentes Wissen bieten. Für das Mensch Maschine Projekt arbeitet sie mit Colin McSwiggen, Mathematiker und Künstler, um Sprachmodelle zu entwickeln, deren Verständnis von Welt auf Differenzen zwischen Konzepten basiert anstatt auf einer Identifikation zwischen ihnen. HSURAE nennt dies eine Empathiemaschine – sie fordert das Paradox heraus, das herkömmliche Empathie beschränkt: die Spannung zwischen Differenz und Ähnlichkeit. In einer Lecture Performance präsentiert HSURAE eine Meditation über die Künstlichkeit von Sprache und eine Poetik der Machinenempathie.

Im Anschluss: Künstler*innengespräch mit Franziska Aigner und HSURAE
Moderation: Tiara Roxanne

Tiara Roxanne ist Postdoc-Stipendiat*in bei Data & Society in NYC und Tarascan-Mestiza-Wissenschaftler*in sowie Künstler*in mit Wohnsitz in Berlin. Tiara Roxannes‘ Forschung und künstlerische Praxis untersucht die Schnittstelle von Indigenität und KI mit Bezug auf koloniale Strukturen maschineller Lernsysteme.

22 Uhr
Pause und Open Bar

22.20 Uhr
Latenight Konzert: Pedro Oliveira und Gugulethu Duma

 

Die JUNGE AKADEMIE beschäftigt sich seit 2019 mit „intelligenten Maschinen“ und ihren Auswirkungen auf Leben und Kunst in unterschiedlichen künstlerischen Programmen. Das Programm Mensch Maschine wurde 2020 gegründet in Kooperation mit dem Programm VISIT der E.ON Stiftung. Seit 2022 ist zudem das E-WERK Luckenwalde Partner. Das Programm AI Anarchies fand von 2022–2023 statt, gefördert von der Beauftragten des Bundes für Kultur und Medien.