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Zur geplanten Schließung der Dauerausstellungsräume des Architekturmuseums der TUM

Sehr geehrter Herr Minister Markus Blume,

 

in dem Artikel „Die große Reform“ in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung vom Donnerstag, 16. Juli 2026, wurden Ihre Pläne für eine umfassende Umstrukturierung der Museumsräume und der Verteilung der Kunstsammlungen des bayerischen Staates der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Folge dieser Umstrukturierung ist das (geplante) Ende des Architekturmuseums der TUM als Dauereinrichtung in der Pinakothek der Moderne.

 

Museen sind Orte der Demokratieförderung. Sie dienen als vertrauenswürdige öffentliche Räume für den offenen Dialog, bieten Anregungen und Informationen für kritisches Denken und tragen zur sozialen Inklusion bei. Indem sie die Vergangenheit reflektieren, um eine gemeinsame Zukunft zu gestalten, sind sie Orte generationenübergreifender Auseinandersetzung und Begegnung. Die gebaute Umwelt spielt eine zentrale Rolle bei gesellschaftlichen Themen wie der Zukunftssicherung von Städten, der Wohnungskrise oder dem infrastrukturellen Wandel, um nur ein paar zu nennen. Dennoch ist sie in deutschen – und bayerischen – Museen stark unterrepräsentiert. Der Öffentlichkeit stehen nur sehr wenige Einrichtungen zur Verfügung, die eine offene und niedrigschwellige Auseinandersetzung mit architektonischen Fragen, Entwicklungen und Geschichten ermöglichen. Mit dem Architekturmuseum verfügt München über eine renommierte und beliebte Einrichtung, die genau diese Funktion erfüllt. In den vergangenen 20 Jahren seit seiner Gründung im Jahr 2002 hat sich das Architekturmuseum einen internationalen Ruf als einzigartig wichtiger Ort für öffentlichkeitsorientierte Architekturforschung und -diskurs erarbeitet. Erreicht wurde dies durch eine Reihe erfolgreicher Ausstellungen, darunter „Who’s Next?“ zum Thema Obdachlosigkeit, „Neue Heimat“ zur Geschichte einer der größten Wohnungsbaugesellschaften Deutschlands, „Access for All“ zur Frage der Zugänglichkeit öffentlicher Räume, oder die aktuelle Ausstellung „Convivium“ zu den sozialen und räumlichen Folgen unserer Lebensmittelinfrastrukturen.

 

Eine Verlegung des Museums aus seinem etablierten Standort in der Pinakothek der Moderne, wo es zu einem festen Ort für architektonischen Austausch geworden ist, würde nicht nur den hart erkämpften Ruf des Architekturmuseums gefährden; eine Verschiebung zu gelegentlichen Ausstellungen an verschiedene Orten würde auch eine wichtige Schnittstelle zwischen Staat und Gesellschaft wegnehmen  wo drängende Fragen unserer Zeit – nämlich die nach unserem gemeinsamen Raum und danach, wie wir darin leben könnten – der Öffentlichkeit auf zugängliche und ansprechende Weise nähergebracht werden. Dies erscheint uns fraglich, insbesondere in einer Zeit, in der solche Räume am dringendsten benötigt werden.

 

In räumlicher Hinsicht wirft die geplante Umstrukturierung die Frage auf, welche alternativen Modelle z.B. der Rotationen die Räume in der Pinakothek der Moderne überhaupt besser nutzen könnten. Das Architekturmuseum hat nämlich eines der wenigen Ausstellungsprogramme, das die einzigartigen Möglichkeiten der Galerien zur Einbindung der Öffentlichkeit nutzen kann – eine der wichtigsten Aufgaben des Museums heute. Dank großer, nach Norden ausgerichteter Fenster sind die Galerien im Erdgeschoss für Passanten direkt einsehbar. Diese Transparenz ist nur möglich, weil die vom Architekturmuseum ausgestellten Materialien weitaus weniger lichtempfindlich sind als eine typische Kunstsammlung. Die meisten anderen Ausstellungsprogramme würden aus konservatorischen Gründen eine Verdunkelung der Fenster erfordern, wodurch ein weiterer Abschnitt des städtischen Erdgeschosses der Maxvorstadt der öffentlichen Sicht und Interaktion entzogen würde.

 

Wir fordern Sie nachdrücklich auf, die Entscheidung, das Architekturmuseum zu einem nur vorübergehend ansässigen Gast zu machen, zu überdenken. Die beeindruckenden Besucherzahlen, die internationale Berichterstattung in der Presse sowie die vielen Gespräche, Interventionen und Begegnungen, die das Architekturmuseum im Laufe der Jahre hervorgebracht hat, belegen die Notwendigkeit eines solchen Ortes sowohl innerhalb des lokalen und nationalen Kontextes als auch auf der internationalen Bühne. Die im Namen eines vagen Versprechens von Ausstellungsvielfalt vorgeschlagene Räumung birgt die Gefahr wenn nicht das Ende des Architekturmuseums selbst herbeizuführen, so doch zumindest den Verlust der Kompetenz, Glaubwürdigkeit und des guten Willens, die in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wurden, aufs Spiel zu setzen. Letztere sind fragile Errungenschaften; einmal verloren, lassen sie sich möglicherweise nicht wiederherstellen. Anstatt dynamisches Umdenkens in der Ausstellungsgestaltung in München zu signalisieren scheint der Vorschlag eher darauf hinzudeuten, dass die Architektur in den Augen der bayerischen Landespolitik ihren Zweck einfach überlebt hat – sprich, dass Sie bereit sind, einem unverzichtbaren Ort des Dialogs inmitten einer Wohnungskrise, einer Klimakrise und einer Demokratiekrise den Rücken zu kehren. All dies sind Themen, die im Mittelpunkt des Architekturmuseums standen – und auch weiterhin stehen werden –, sofern ihm der Raum gewährt wird, den es verdient. Eine Schließung würde der Öffentlichkeit nicht nur die Möglichkeit nehmen, individuell über unsere gemeinsame gebaute Umwelt nachzudenken, sondern auch, an einem kollektiven Ringen teilzunehmen, um diese Umwelten zu verstehen, zu überdenken und neu zu konzipieren.

 

All dies gibt es heute in München. Doch um fortbestehen und wachsen zu können, bedarf es einer stabilen, langfristigen Verpflichtung seitens der öffentlichen Hand, das Museum weiterhin mit Räumlichkeiten, finanziellen Mitteln und Interesse zu unterstützen. Sie versprechen in dem Artikel, nicht „an Kultur und Kunst zu sparen“, was wir begrüßen. Wir verstehen auch, dass die reiche Vielfalt der bayerischen Staatssammlungen mehr Aufmerksamkeit verdient. Doch Raum – das Kernanliegen der Architektur als gesellschaftliche Disziplin – muss als mehr verstanden werden als nur als Immobilie für eine gelegentliche Ausstellung: Er ist ein Ort, den die Menschen im Laufe der Jahre kennenlernen, an den sie zurückkehren und der sie einlädt, Ideen zu diskutieren, zu hinterfragen oder anzufechten. Das Architekturmuseum aus seinen Räumlichkeiten zu verlegen, bedeutet, einem der wenigen Orte den Boden unter den Füßen wegzuziehen, der Menschen außerhalb der Fach- und Wissenschaftskreise zur Verfügung steht, um über die gebaute Umwelt, ihre Vergangenheit und ihre Zukunft zu diskutieren und zu debattieren – eine unschätzbare Errungenschaft und wertvolle Grundlage für eine nachhaltige Zukunft. Wir hoffen aufrichtig, dass Sie diesen einzigartigen Wert erkennen und erhalten.

Zum Offenen Brief: Link