Vorlesung VII (11. Dezember 1978)
Wir stecken noch immer in der Diskussion Winckelmann–Piranesi, einer Diskussion über den Zivilisationsbegriff und seine Behandlung in den Künsten: Wie wird der Begriff durch die Figur des Artisten analysiert, wie wird das von ihm Analysierte befestigt und – wie wir das bei Karl Friedrich Schinkel gesehen hatten – durch eine bestimmte Haltung eingeübt? Wir waren weiterhin mit der Architektur beschäftigt als dem, was uns in der Ästhetik Hegels das Prius aller anderen Künste zu sein schien, die, wenigstens der Zeit nach, gleichzeitig mit der klassizistischen Utopie auftrat, allerdings von ihr am begriffsfernsten war. Zu gleicher Zeit hatten wir den durchaus auf eine Formel zu bringenden Veranstaltungscharakter der klassizistischen Architektur kennengelernt. Die Veranstaltungswillfährigkeit und das, was sich in der klassizistischen Architektur dagegen sträubt, war dann unser Thema. Diese Spur führte schließlich einerseits zu der sogenannten französischen Revolutionsarchitektur, andererseits zu Giovanni Battista Piranesi und Johann Joachim Winckelmann.