Vorlesung XIII (Montag, 12. Februar 1979)
Wir hatten in diesem Semester den Rückblick auf Piranesi gemacht, weil wir der Meinung waren, dass die gebaute Zivilisationsarchitektur nicht ohne ihn hätte entstehen können. Ich meine das jetzt nicht personalistisch, sondern vielmehr die Tatsache, dass im 18. Jahrhundert in Rom der Barock aufgearbeitet und durch ein Nadelöhr antizipatorisch der Zivilisationsbegriff zum Problem für die Folgezeit gemacht wird – ein Problem gerade der Architektur und nicht nur der Theorienbildung –, was an der Herausforderung durch die riesige Trümmerwelt dieser Stadt Rom liegt. Dass die Herausforderung aufgegriffen wird, liegt am großen Glücksfall Giovanni Battista Piranesi; er tut es, ohne selbst nennenswert zu bauen, er theoretisiert es, er analysiert es in seinem riesigen Werk von Stichen. Erst im Nachhinein wird dadurch deutlich, wie sehr Zivilisationsarchitektur in Rom auch von anderen bereits bearbeitet wurde. Aber die Erhellungen rückwärts und vorwärts gehen von dem grafischen Unternehmen Piranesis aus.