„Der Architektur ein Bewusstsein ihrer selbst zu geben“, in Abwandlung des Mottos, der Gesellschaft ein Bewusstsein ihrer selbst zu geben, war das einführende Gespräch überschrieben, das Klaus Heinrich mit uns im Jahre 2015 zur Herausgabe seiner Architekturvorlesungen über Karl Friedrich Schinkel und Albert Speer führte. Darin wird der lebenslange Anspruch des Hochschullehrers und Religionsphilosophen deutlich, aufgrund des systemischen Versagens im Nationalsozialismus die wissenschaftliche Arbeit so auszurichten, dass sie dabei hilft, „Prozesse der Zivilisationsgeschichte so weit wie möglich aufzuklären, um nicht zu widerstandslosen Objekten solcher Prozesse degradiert zu werden“1. In diesem Zitat aus dem vorliegenden Vorlesungszyklus über Giovanni Battista Piranesi, der sich unmittelbar an die Schinkel-Vorlesungen anschließt, klingt bereits an, dass Klaus Heinrich den Zivilisationsbegriff nicht als Fortschritt hin zu einer höheren Kulturstufe begreift, sondern in der Zivilisationsgeschichte die Brüche, die Rückschläge, das Verdrängte stets mitdiskutiert: „Gebrochenheit gehört zur magnificenza der Zivilisation dazu. Die Stadt, die Tradition, die Zivilisation, die ihre Gebrochenheit nicht nur aushält, sondern auch zur Schau stellt, schützt sich gerade dadurch gegen das Verdrängen und auf diese Weise gegen das Zerbrechen.“2