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In ARCH+ 261: Stadtumbau – Schulen der Transformation geht es um die aktuellen Herausforderungen der Architekturausbildung im Angesicht ökonomischer, politischer und ökologischer Krisen. Wie ein Umdenken in der Lehre konkret aussehen kann, diskutiert Matthias Faul, Architekt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Urban Design der TU München im Gespräch mit Luis Michal.
Luis Michal: In der Lehre beschäftigt ihr euch mit Interventionen im öffentlichen, halböffentlichen wie auch im privaten Raum. Diese setzt ihr vor allem dort um, wo sich Studierende aufhalten – sprich im Umfeld der Universität. Ich würde gerne über drei dieser Transformationsprojekte mit dir sprechen: Die Umnutzung des Heizkraftwerks der TU München, die Intervention im Ladencafé DON und den Schaukasten N1, ein Universitätsraum, den ihr zu einem Veranstaltungsraum umgebaut habt. Könntest du zunächst kurz die Entstehungsgeschichte des Heizkraftwerks erläutern?
Matthias Faul: Das Projekt Heizkraftwerk geht auf eine Initiative aus der Studierendenschaft zurück. Im Jahr 2021 haben wir das Stammgeländes der TU München in der Maxvorstadt erstmals zum Thema eines Entwurfsstudios gemacht. In Kleingruppen entwickelten die Studierenden einen Masterplan für das Gesamtareal. Dabei rückte das historische und heute leerstehende Heizkraftwerk auf dem Stammgelände von Friedrich von Thiersch aus dem Jahr 1910 in den Fokus. Zwei Studierende nahmen sich diesem Ort vertieft an und meinten, dass dieser außergewöhnliche Raum nach 17 Jahren Leerstand wieder zugänglich und erlebbar gemacht werden sollte. Durch gezielte Interventionen wie eine Heizkraftwerk-Party erzeugten sie erst einmal Aufmerksamkeit und machten das räumliche Potenzial sichtbar. Die dabei entstandenen Bilder dienten als Grundlage, um in den Dialog mit dem Präsidium der TU München zu treten, das daraufhin tatsächlich seine Unterstützung für eine Öffnung des Ortes signalisierte. Als nächstes wurde auf Grundlage der Studierendenarbeiten eine Machbarkeitsstudie durch ein externes Büro durchgeführt. Wir sehen unsere Aufgabe als Lehrende vor allem darin, die wichtigen Akteure zu vernetzen und Studierende den Zugang zu Entscheidungsträger*innen und Förderer zu ermöglichen, der ihnen sonst kaum zur Verfügung stünde.
Luis Michal: Welche Rolle spielt das Thema Finanzierung bei Initiativen wie dem Heizkraftwerk?
Matthias Faul: In den frühen Projektphasen ist der finanzielle Bedarf vergleichsweise gering. Für erste Interventionen haben aber mittlerweile Wege gefunden, Mittel über Förderer und Unterstützer*innen – teils auch aus der Privatwirtschaft – zu akquirieren und so studentische Projekte zu ermöglichen. Im späteren Verlauf bemühen wir uns zusätzlich um öffentliche Förderungen von Stadt und Bund. Allerdings merken wir, dass insbesondere bei konkreten baulichen Maßnahmen die Finanzierungsprozesse sehr langwierig sein können und Studierende dann oft nicht mehr am Projekt beteiligt sind, weil sie inzwischen andere Seminare belegen oder die Universität bereits verlassen haben.
Luis Michal: Nach dem Heizkraftwerk hast du im Sommer 2025 mit dem DON eine Umnutzung eines Ladencafés zu einer Tagesbar und Galerie ins Leben gerufen. Worum ging es dabei?
Matthias Faul: Die Galerie DON mit Tagesbar ist aus der eben beschriebenen Trägheit der Finanzierungsprozesse heraus entstanden. Wir haben einen Raum gesucht, in dem wir Architektur, Kunst und studentische Projekte ausstellen können und sind auf ein leerstehendes Ladenlokal in Campusnähe gestoßen. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Felix Lindemann haben wir zunächst versucht, die Finanzierung aus privaten Mitteln auf die Beine zu stellen. Innerhalb von 14 Tagen konnten wir die Eigentümer*innen von unserem Umnutzungskonzept überzeugen. Gleichzeitig haben wir Fördermittel bei der Stadt München beantragt, die allerdings erst nach Projektstart ausgezahlt werden. Das Konzept von DON beruhte zudem darauf, über den Betrieb der Tagesbar Einnahmen zu erwirtschaften und so den Raum über sechs Monate selbst zu tragen. Das finanzielle Risiko lag dabei vollständig bei uns als Betreiber.
Luis Michal: Was war dabei euer persönlicher Antrieb für dieses mit der Umnutzung verbundene Risiko?
Matthias Faul: Uns ging es darum, den Beweis zu erbringen, dass eine ernsthafte und konsequent umsetzte Intervention Raum genauso transformieren kann wie eine klassische Baumaßnahme. Wir hatten täglich zwischen 130 und 200 Besucher*innen pro Tag, haben insgesamt 29 Ausstellungsabende veranstaltet und waren an vier Tagen pro Woche geöffnet. Dabei haben wir viele Menschen erreicht, die nichts mit Architektur zu tun haben – Laufkundschaft, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Künstler*innen. Außerdem haben wir hier Semesterabschlussprojekte in einem räumlichen Rahmen präsentiert, der im universitären Kontext so nicht möglich gewesen wären.
Luis Michal: Neben diesen beiden Projekten habt ihr auch die ehemalige Baustoffsammlung der TU München in den Veranstaltungsort Schaukasten N1 transformiert. Was konntet ihr dabei aus den vorangegangenen Projekten mitnehmen?
Matthias Faul: Der Schaukasten N1 ist wieder eine direkte Weiterentwicklung der Erkenntnisse aus dem Heizkraftwerk und der Galerie DON. Auch hier ging es darum, durch eine schnelle Transformation einen Raum in ein offenes Nutzungskonzept zu überführen und für Stadt und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach der Schließung der Galerie DON im September 2025 haben wir gezielt nach einem Raum gesucht, der sich für universitäre Formate – etwa das Public Planning Lab, das Teil der Ausbildung der Regierungsbaumeister*innen des Freistaats Bayern ist – eignet. Milan Chakrabati, der diese Ausbildung verantwortet, hat Felix Lindemann und mich angesprochen, einen solchen einen Raum gemeinsam zu realisieren. Milan Chakrabati brachte das notwendige Wissen über administrative Abläufe ein, ich kannte die Räumlichkeiten und wusste, wie man darin eine besondere Atmosphäre schafft und Felix Lindemann verfügte über betriebliche Erfahrungen und das handwerkliche Geschick. In dieser Konstellation konnten wir im Schaukasten N1 das umsetzen, was wir bereits im Heizkraftwerk angestoßen hatten: einen Raum zu schaffen, der durch minimale Eingriffe maximale Wirkung entfaltet und neue Formen der Nutzung ermöglicht.
Luis Michal: Erfüllt der Raum dabei die notwendigen technischen Anforderungen wie Brandschutz, Versammlungsstättenverordnung oder handelt es sich um eine geduldete, temporäre Lösung?
Matthias Faul: Bevor wir den Raum nutzen konnten, mussten wir eine Gefährdungsbeurteilung, Betrachtung der Rettungswege und des Brandschutzes durchführen. Daraus ergaben sich konkrete bauliche Anpassungen – etwa der Rückbau einer Zwischenebene und zweier Treppen. Nun gibt es einen doppelgeschossigen Veranstaltungsraum, der trotz der sparsamen Mittel einen gewissen Repräsentationscharakter hat.
Luis Michal: Temporären Architekturen sieht man ihren provisorischen Charakter häufig auch gestalterisch an, zum Beispiel in Form von „Euro-Paletten-Architektur“. Wie geht ihr gestalterisch an das Thema Zwischennutzung heran?
Matthias Faul: Unser Ansatz ist es, mit einem klaren Leitmotiv und wenigen gestalterischen Prinzipien zu arbeiten – gewissermaßen einem reduzierten Baukasten, mit dem wir die räumlichen Herausforderungen lösen. Beim DON wollten wir die Atmosphäre eines Cafés erzeugen. Da es sich um eine Zwischennutzung handelte, war von Anfang an klar, dass wir alles weiß streichen müssen. Die Plakate wurden von Künstler*innen gestaltet und von uns händisch mit blauer Tinte bedruckt. Außerdem haben wir mit vielen Readymades gearbeitet: eine Bar, bereits vorhandene Stühle, oder Türen, die wir lediglich gestrichen haben, dazu Vorhänge über die gesamte Wandlänge, die so besonders großzügig im Raum wirken. Entscheidend ist für uns, dass die Räume nicht provisorisch erscheinen. Nur wenn die Nutzer*innen diese Räume wirklich wertschätzen, werden sie sich auch für den Erhalt einsetzen.
Luis Michal: Design ist bei euch also zum Werkzeug, Räume zu gestalten und sie durch ihrer Nutzerschaft zu verstetigen. Wie vermittelt ihr diese Methoden in der Lehre?
Matthias Faul: In der Lehre geht es vor allem darum, den Studierenden ein Bewusstsein für ihre eigenen Handlungsspielräume zu vermitteln. Sie sollen Räume wahrnehmen, Defizite erkennen daraus eigene Vorstellungen entwickeln, wie diese Orte anders genutzt werden könnten. Diese Ideen sollen sie dann in Bilder überführen, um Mitstreiter*innen für die Umsetzung zu gewinnen. Damit zielt unsere Ausbildung viel stärker auf Architektur als Prozess und Handlung, als auf den Entwurf fertiger Objekte. Genau das ist der eigentliche Sinn der Intervention: Die Studierenden werden aufgefordert, selbst aktiv zu werden, Kontakte zu knüpfen, Verantwortliche zu identifizieren, Abläufe zu organisieren und Projekte eigenständig umzusetzen. Das ist zunächst herausfordernd und führt sie aus ihrer Komfortzone. Gleichzeitig führt es aber auch dazu, dass sie innerhalb kurzer Zeit – oft in wenigen Monaten – wahnsinnig über sich selbst hinauswachsen können.
Luis Michal: In der Lehre beschäftigt ihr euch mit Interventionen im öffentlichen, halböffentlichen wie auch im privaten Raum. Diese setzt ihr vor allem dort um, wo sich Studierende aufhalten – sprich im Umfeld der Universität. Ich würde gerne über drei dieser Transformationsprojekte mit dir sprechen: Die Umnutzung des Heizkraftwerks der TU München, die Intervention im Ladencafé DON und den Schaukasten N1, ein Universitätsraum, den ihr zu einem Veranstaltungsraum umgebaut habt. Könntest du zunächst kurz die Entstehungsgeschichte des Heizkraftwerks erläutern?
Matthias Faul: Das Projekt Heizkraftwerk geht auf eine Initiative aus der Studierendenschaft zurück. Im Jahr 2021 haben wir das Stammgeländes der TU München in der Maxvorstadt erstmals zum Thema eines Entwurfsstudios gemacht. In Kleingruppen entwickelten die Studierenden einen Masterplan für das Gesamtareal. Dabei rückte das historische und heute leerstehende Heizkraftwerk auf dem Stammgelände von Friedrich von Thiersch aus dem Jahr 1910 in den Fokus. Zwei Studierende nahmen sich diesem Ort vertieft an und meinten, dass dieser außergewöhnliche Raum nach 17 Jahren Leerstand wieder zugänglich und erlebbar gemacht werden sollte. Durch gezielte Interventionen wie eine Heizkraftwerk-Party erzeugten sie erst einmal Aufmerksamkeit und machten das räumliche Potenzial sichtbar. Die dabei entstandenen Bilder dienten als Grundlage, um in den Dialog mit dem Präsidium der TU München zu treten, das daraufhin tatsächlich seine Unterstützung für eine Öffnung des Ortes signalisierte. Als nächstes wurde auf Grundlage der Studierendenarbeiten eine Machbarkeitsstudie durch ein externes Büro durchgeführt. Wir sehen unsere Aufgabe als Lehrende vor allem darin, die wichtigen Akteure zu vernetzen und Studierende den Zugang zu Entscheidungsträger*innen und Förderer zu ermöglichen, der ihnen sonst kaum zur Verfügung stünde.
Luis Michal: Welche Rolle spielt das Thema Finanzierung bei Initiativen wie dem Heizkraftwerk?
Matthias Faul: In den frühen Projektphasen ist der finanzielle Bedarf vergleichsweise gering. Für erste Interventionen haben aber mittlerweile Wege gefunden, Mittel über Förderer und Unterstützer*innen – teils auch aus der Privatwirtschaft – zu akquirieren und so studentische Projekte zu ermöglichen. Im späteren Verlauf bemühen wir uns zusätzlich um öffentliche Förderungen von Stadt und Bund. Allerdings merken wir, dass insbesondere bei konkreten baulichen Maßnahmen die Finanzierungsprozesse sehr langwierig sein können und Studierende dann oft nicht mehr am Projekt beteiligt sind, weil sie inzwischen andere Seminare belegen oder die Universität bereits verlassen haben.
Luis Michal: Nach dem Heizkraftwerk hast du im Sommer 2025 mit dem DON eine Umnutzung eines Ladencafés zu einer Tagesbar und Galerie ins Leben gerufen. Worum ging es dabei?
Matthias Faul: Die Galerie DON mit Tagesbar ist aus der eben beschriebenen Trägheit der Finanzierungsprozesse heraus entstanden. Wir haben einen Raum gesucht, in dem wir Architektur, Kunst und studentische Projekte ausstellen können und sind auf ein leerstehendes Ladenlokal in Campusnähe gestoßen. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Felix Lindemann haben wir zunächst versucht, die Finanzierung aus privaten Mitteln auf die Beine zu stellen. Innerhalb von 14 Tagen konnten wir die Eigentümer*innen von unserem Umnutzungskonzept überzeugen. Gleichzeitig haben wir Fördermittel bei der Stadt München beantragt, die allerdings erst nach Projektstart ausgezahlt werden. Das Konzept von DON beruhte zudem darauf, über den Betrieb der Tagesbar Einnahmen zu erwirtschaften und so den Raum über sechs Monate selbst zu tragen. Das finanzielle Risiko lag dabei vollständig bei uns als Betreiber.
Luis Michal: Was war dabei euer persönlicher Antrieb für dieses mit der Umnutzung verbundene Risiko?
Matthias Faul: Uns ging es darum, den Beweis zu erbringen, dass eine ernsthafte und konsequent umsetzte Intervention Raum genauso transformieren kann wie eine klassische Baumaßnahme. Wir hatten täglich zwischen 130 und 200 Besucher*innen pro Tag, haben insgesamt 29 Ausstellungsabende veranstaltet und waren an vier Tagen pro Woche geöffnet. Dabei haben wir viele Menschen erreicht, die nichts mit Architektur zu tun haben – Laufkundschaft, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Künstler*innen. Außerdem haben wir hier Semesterabschlussprojekte in einem räumlichen Rahmen präsentiert, der im universitären Kontext so nicht möglich gewesen wären.
Luis Michal: Neben diesen beiden Projekten habt ihr auch die ehemalige Baustoffsammlung der TU München in den Veranstaltungsort Schaukasten N1 transformiert. Was konntet ihr dabei aus den vorangegangenen Projekten mitnehmen?
Matthias Faul: Der Schaukasten N1 ist wieder eine direkte Weiterentwicklung der Erkenntnisse aus dem Heizkraftwerk und der Galerie DON. Auch hier ging es darum, durch eine schnelle Transformation einen Raum in ein offenes Nutzungskonzept zu überführen und für Stadt und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach der Schließung der Galerie DON im September 2025 haben wir gezielt nach einem Raum gesucht, der sich für universitäre Formate – etwa das Public Planning Lab, das Teil der Ausbildung der Regierungsbaumeister*innen des Freistaats Bayern ist – eignet. Milan Chakrabati, der diese Ausbildung verantwortet, hat Felix Lindemann und mich angesprochen, einen solchen einen Raum gemeinsam zu realisieren. Milan Chakrabati brachte das notwendige Wissen über administrative Abläufe ein, ich kannte die Räumlichkeiten und wusste, wie man darin eine besondere Atmosphäre schafft und Felix Lindemann verfügte über betriebliche Erfahrungen und das handwerkliche Geschick. In dieser Konstellation konnten wir im Schaukasten N1 das umsetzen, was wir bereits im Heizkraftwerk angestoßen hatten: einen Raum zu schaffen, der durch minimale Eingriffe maximale Wirkung entfaltet und neue Formen der Nutzung ermöglicht.
Luis Michal: Erfüllt der Raum dabei die notwendigen technischen Anforderungen wie Brandschutz, Versammlungsstättenverordnung oder handelt es sich um eine geduldete, temporäre Lösung?
Matthias Faul: Bevor wir den Raum nutzen konnten, mussten wir eine Gefährdungsbeurteilung, Betrachtung der Rettungswege und des Brandschutzes durchführen. Daraus ergaben sich konkrete bauliche Anpassungen – etwa der Rückbau einer Zwischenebene und zweier Treppen. Nun gibt es einen doppelgeschossigen Veranstaltungsraum, der trotz der sparsamen Mittel einen gewissen Repräsentationscharakter hat.
Luis Michal: Temporären Architekturen sieht man ihren provisorischen Charakter häufig auch gestalterisch an, zum Beispiel in Form von „Euro-Paletten-Architektur“. Wie geht ihr gestalterisch an das Thema Zwischennutzung heran?
Matthias Faul: Unser Ansatz ist es, mit einem klaren Leitmotiv und wenigen gestalterischen Prinzipien zu arbeiten – gewissermaßen einem reduzierten Baukasten, mit dem wir die räumlichen Herausforderungen lösen. Beim DON wollten wir die Atmosphäre eines Cafés erzeugen. Da es sich um eine Zwischennutzung handelte, war von Anfang an klar, dass wir alles weiß streichen müssen. Die Plakate wurden von Künstler*innen gestaltet und von uns händisch mit blauer Tinte bedruckt. Außerdem haben wir mit vielen Readymades gearbeitet: eine Bar, bereits vorhandene Stühle, oder Türen, die wir lediglich gestrichen haben, dazu Vorhänge über die gesamte Wandlänge, die so besonders großzügig im Raum wirken. Entscheidend ist für uns, dass die Räume nicht provisorisch erscheinen. Nur wenn die Nutzer*innen diese Räume wirklich wertschätzen, werden sie sich auch für den Erhalt einsetzen.
Luis Michal: Design ist bei euch also zum Werkzeug, Räume zu gestalten und sie durch ihrer Nutzerschaft zu verstetigen. Wie vermittelt ihr diese Methoden in der Lehre?
Matthias Faul: In der Lehre geht es vor allem darum, den Studierenden ein Bewusstsein für ihre eigenen Handlungsspielräume zu vermitteln. Sie sollen Räume wahrnehmen, Defizite erkennen daraus eigene Vorstellungen entwickeln, wie diese Orte anders genutzt werden könnten. Diese Ideen sollen sie dann in Bilder überführen, um Mitstreiter*innen für die Umsetzung zu gewinnen. Damit zielt unsere Ausbildung viel stärker auf Architektur als Prozess und Handlung, als auf den Entwurf fertiger Objekte. Genau das ist der eigentliche Sinn der Intervention: Die Studierenden werden aufgefordert, selbst aktiv zu werden, Kontakte zu knüpfen, Verantwortliche zu identifizieren, Abläufe zu organisieren und Projekte eigenständig umzusetzen. Das ist zunächst herausfordernd und führt sie aus ihrer Komfortzone. Gleichzeitig führt es aber auch dazu, dass sie innerhalb kurzer Zeit – oft in wenigen Monaten – wahnsinnig über sich selbst hinauswachsen können.
Luis Michal: In der Lehre beschäftigt ihr euch mit Interventionen im öffentlichen, halböffentlichen wie auch im privaten Raum. Diese setzt ihr vor allem dort um, wo sich Studierende aufhalten – sprich im Umfeld der Universität. Ich würde gerne über drei dieser Transformationsprojekte mit dir sprechen: Die Umnutzung des Heizkraftwerks der TU München, die Intervention im Ladencafé DON und den Schaukasten N1, ein Universitätsraum, den ihr zu einem Veranstaltungsraum umgebaut habt. Könntest du zunächst kurz die Entstehungsgeschichte des Heizkraftwerks erläutern?
Matthias Faul: Das Projekt Heizkraftwerk geht auf eine Initiative aus der Studierendenschaft zurück. Im Jahr 2021 haben wir das Stammgeländes der TU München in der Maxvorstadt erstmals zum Thema eines Entwurfsstudios gemacht. In Kleingruppen entwickelten die Studierenden einen Masterplan für das Gesamtareal. Dabei rückte das historische und heute leerstehende Heizkraftwerk auf dem Stammgelände von Friedrich von Thiersch aus dem Jahr 1910 in den Fokus. Zwei Studierende nahmen sich diesem Ort vertieft an und meinten, dass dieser außergewöhnliche Raum nach 17 Jahren Leerstand wieder zugänglich und erlebbar gemacht werden sollte. Durch gezielte Interventionen wie eine Heizkraftwerk-Party erzeugten sie erst einmal Aufmerksamkeit und machten das räumliche Potenzial sichtbar. Die dabei entstandenen Bilder dienten als Grundlage, um in den Dialog mit dem Präsidium der TU München zu treten, das daraufhin tatsächlich seine Unterstützung für eine Öffnung des Ortes signalisierte. Als nächstes wurde auf Grundlage der Studierendenarbeiten eine Machbarkeitsstudie durch ein externes Büro durchgeführt. Wir sehen unsere Aufgabe als Lehrende vor allem darin, die wichtigen Akteure zu vernetzen und Studierende den Zugang zu Entscheidungsträger*innen und Förderer zu ermöglichen, der ihnen sonst kaum zur Verfügung stünde.
Luis Michal: Welche Rolle spielt das Thema Finanzierung bei Initiativen wie dem Heizkraftwerk?
Matthias Faul: In den frühen Projektphasen ist der finanzielle Bedarf vergleichsweise gering. Für erste Interventionen haben aber mittlerweile Wege gefunden, Mittel über Förderer und Unterstützer*innen – teils auch aus der Privatwirtschaft – zu akquirieren und so studentische Projekte zu ermöglichen. Im späteren Verlauf bemühen wir uns zusätzlich um öffentliche Förderungen von Stadt und Bund. Allerdings merken wir, dass insbesondere bei konkreten baulichen Maßnahmen die Finanzierungsprozesse sehr langwierig sein können und Studierende dann oft nicht mehr am Projekt beteiligt sind, weil sie inzwischen andere Seminare belegen oder die Universität bereits verlassen haben.
Luis Michal: Nach dem Heizkraftwerk hast du im Sommer 2025 mit dem DON eine Umnutzung eines Ladencafés zu einer Tagesbar und Galerie ins Leben gerufen. Worum ging es dabei?
Matthias Faul: Die Galerie DON mit Tagesbar ist aus der eben beschriebenen Trägheit der Finanzierungsprozesse heraus entstanden. Wir haben einen Raum gesucht, in dem wir Architektur, Kunst und studentische Projekte ausstellen können und sind auf ein leerstehendes Ladenlokal in Campusnähe gestoßen. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Felix Lindemann haben wir zunächst versucht, die Finanzierung aus privaten Mitteln auf die Beine zu stellen. Innerhalb von 14 Tagen konnten wir die Eigentümer*innen von unserem Umnutzungskonzept überzeugen. Gleichzeitig haben wir Fördermittel bei der Stadt München beantragt, die allerdings erst nach Projektstart ausgezahlt werden. Das Konzept von DON beruhte zudem darauf, über den Betrieb der Tagesbar Einnahmen zu erwirtschaften und so den Raum über sechs Monate selbst zu tragen. Das finanzielle Risiko lag dabei vollständig bei uns als Betreiber.
Luis Michal: Was war dabei euer persönlicher Antrieb für dieses mit der Umnutzung verbundene Risiko?
Matthias Faul: Uns ging es darum, den Beweis zu erbringen, dass eine ernsthafte und konsequent umsetzte Intervention Raum genauso transformieren kann wie eine klassische Baumaßnahme. Wir hatten täglich zwischen 130 und 200 Besucher*innen pro Tag, haben insgesamt 29 Ausstellungsabende veranstaltet und waren an vier Tagen pro Woche geöffnet. Dabei haben wir viele Menschen erreicht, die nichts mit Architektur zu tun haben – Laufkundschaft, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Künstler*innen. Außerdem haben wir hier Semesterabschlussprojekte in einem räumlichen Rahmen präsentiert, der im universitären Kontext so nicht möglich gewesen wären.
Luis Michal: Neben diesen beiden Projekten habt ihr auch die ehemalige Baustoffsammlung der TU München in den Veranstaltungsort Schaukasten N1 transformiert. Was konntet ihr dabei aus den vorangegangenen Projekten mitnehmen?
Matthias Faul: Der Schaukasten N1 ist wieder eine direkte Weiterentwicklung der Erkenntnisse aus dem Heizkraftwerk und der Galerie DON. Auch hier ging es darum, durch eine schnelle Transformation einen Raum in ein offenes Nutzungskonzept zu überführen und für Stadt und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach der Schließung der Galerie DON im September 2025 haben wir gezielt nach einem Raum gesucht, der sich für universitäre Formate – etwa das Public Planning Lab, das Teil der Ausbildung der Regierungsbaumeister*innen des Freistaats Bayern ist – eignet. Milan Chakrabati, der diese Ausbildung verantwortet, hat Felix Lindemann und mich angesprochen, einen solchen einen Raum gemeinsam zu realisieren. Milan Chakrabati brachte das notwendige Wissen über administrative Abläufe ein, ich kannte die Räumlichkeiten und wusste, wie man darin eine besondere Atmosphäre schafft und Felix Lindemann verfügte über betriebliche Erfahrungen und das handwerkliche Geschick. In dieser Konstellation konnten wir im Schaukasten N1 das umsetzen, was wir bereits im Heizkraftwerk angestoßen hatten: einen Raum zu schaffen, der durch minimale Eingriffe maximale Wirkung entfaltet und neue Formen der Nutzung ermöglicht.
Luis Michal: Erfüllt der Raum dabei die notwendigen technischen Anforderungen wie Brandschutz, Versammlungsstättenverordnung oder handelt es sich um eine geduldete, temporäre Lösung?
Matthias Faul: Bevor wir den Raum nutzen konnten, mussten wir eine Gefährdungsbeurteilung, Betrachtung der Rettungswege und des Brandschutzes durchführen. Daraus ergaben sich konkrete bauliche Anpassungen – etwa der Rückbau einer Zwischenebene und zweier Treppen. Nun gibt es einen doppelgeschossigen Veranstaltungsraum, der trotz der sparsamen Mittel einen gewissen Repräsentationscharakter hat.
Luis Michal: Temporären Architekturen sieht man ihren provisorischen Charakter häufig auch gestalterisch an, zum Beispiel in Form von „Euro-Paletten-Architektur“. Wie geht ihr gestalterisch an das Thema Zwischennutzung heran?
Matthias Faul: Unser Ansatz ist es, mit einem klaren Leitmotiv und wenigen gestalterischen Prinzipien zu arbeiten – gewissermaßen einem reduzierten Baukasten, mit dem wir die räumlichen Herausforderungen lösen. Beim DON wollten wir die Atmosphäre eines Cafés erzeugen. Da es sich um eine Zwischennutzung handelte, war von Anfang an klar, dass wir alles weiß streichen müssen. Die Plakate wurden von Künstler*innen gestaltet und von uns händisch mit blauer Tinte bedruckt. Außerdem haben wir mit vielen Readymades gearbeitet: eine Bar, bereits vorhandene Stühle, oder Türen, die wir lediglich gestrichen haben, dazu Vorhänge über die gesamte Wandlänge, die so besonders großzügig im Raum wirken. Entscheidend ist für uns, dass die Räume nicht provisorisch erscheinen. Nur wenn die Nutzer*innen diese Räume wirklich wertschätzen, werden sie sich auch für den Erhalt einsetzen.
Luis Michal: Design ist bei euch also zum Werkzeug, Räume zu gestalten und sie durch ihrer Nutzerschaft zu verstetigen. Wie vermittelt ihr diese Methoden in der Lehre?
Matthias Faul: In der Lehre geht es vor allem darum, den Studierenden ein Bewusstsein für ihre eigenen Handlungsspielräume zu vermitteln. Sie sollen Räume wahrnehmen, Defizite erkennen daraus eigene Vorstellungen entwickeln, wie diese Orte anders genutzt werden könnten. Diese Ideen sollen sie dann in Bilder überführen, um Mitstreiter*innen für die Umsetzung zu gewinnen. Damit zielt unsere Ausbildung viel stärker auf Architektur als Prozess und Handlung, als auf den Entwurf fertiger Objekte. Genau das ist der eigentliche Sinn der Intervention: Die Studierenden werden aufgefordert, selbst aktiv zu werden, Kontakte zu knüpfen, Verantwortliche zu identifizieren, Abläufe zu organisieren und Projekte eigenständig umzusetzen. Das ist zunächst herausfordernd und führt sie aus ihrer Komfortzone. Gleichzeitig führt es aber auch dazu, dass sie innerhalb kurzer Zeit – oft in wenigen Monaten – wahnsinnig über sich selbst hinauswachsen können.
Luis Michal: In der Lehre beschäftigt ihr euch mit Interventionen im öffentlichen, halböffentlichen wie auch im privaten Raum. Diese setzt ihr vor allem dort um, wo sich Studierende aufhalten – sprich im Umfeld der Universität. Ich würde gerne über drei dieser Transformationsprojekte mit dir sprechen: Die Umnutzung des Heizkraftwerks der TU München, die Intervention im Ladencafé DON und den Schaukasten N1, ein Universitätsraum, den ihr zu einem Veranstaltungsraum umgebaut habt. Könntest du zunächst kurz die Entstehungsgeschichte des Heizkraftwerks erläutern?
Matthias Faul: Das Projekt Heizkraftwerk geht auf eine Initiative aus der Studierendenschaft zurück. Im Jahr 2021 haben wir das Stammgeländes der TU München in der Maxvorstadt erstmals zum Thema eines Entwurfsstudios gemacht. In Kleingruppen entwickelten die Studierenden einen Masterplan für das Gesamtareal. Dabei rückte das historische und heute leerstehende Heizkraftwerk auf dem Stammgelände von Friedrich von Thiersch aus dem Jahr 1910 in den Fokus. Zwei Studierende nahmen sich diesem Ort vertieft an und meinten, dass dieser außergewöhnliche Raum nach 17 Jahren Leerstand wieder zugänglich und erlebbar gemacht werden sollte. Durch gezielte Interventionen wie eine Heizkraftwerk-Party erzeugten sie erst einmal Aufmerksamkeit und machten das räumliche Potenzial sichtbar. Die dabei entstandenen Bilder dienten als Grundlage, um in den Dialog mit dem Präsidium der TU München zu treten, das daraufhin tatsächlich seine Unterstützung für eine Öffnung des Ortes signalisierte. Als nächstes wurde auf Grundlage der Studierendenarbeiten eine Machbarkeitsstudie durch ein externes Büro durchgeführt. Wir sehen unsere Aufgabe als Lehrende vor allem darin, die wichtigen Akteure zu vernetzen und Studierende den Zugang zu Entscheidungsträger*innen und Förderer zu ermöglichen, der ihnen sonst kaum zur Verfügung stünde.
Luis Michal: Welche Rolle spielt das Thema Finanzierung bei Initiativen wie dem Heizkraftwerk?
Matthias Faul: In den frühen Projektphasen ist der finanzielle Bedarf vergleichsweise gering. Für erste Interventionen haben aber mittlerweile Wege gefunden, Mittel über Förderer und Unterstützer*innen – teils auch aus der Privatwirtschaft – zu akquirieren und so studentische Projekte zu ermöglichen. Im späteren Verlauf bemühen wir uns zusätzlich um öffentliche Förderungen von Stadt und Bund. Allerdings merken wir, dass insbesondere bei konkreten baulichen Maßnahmen die Finanzierungsprozesse sehr langwierig sein können und Studierende dann oft nicht mehr am Projekt beteiligt sind, weil sie inzwischen andere Seminare belegen oder die Universität bereits verlassen haben.
Luis Michal: Nach dem Heizkraftwerk hast du im Sommer 2025 mit dem DON eine Umnutzung eines Ladencafés zu einer Tagesbar und Galerie ins Leben gerufen. Worum ging es dabei?
Matthias Faul: Die Galerie DON mit Tagesbar ist aus der eben beschriebenen Trägheit der Finanzierungsprozesse heraus entstanden. Wir haben einen Raum gesucht, in dem wir Architektur, Kunst und studentische Projekte ausstellen können und sind auf ein leerstehendes Ladenlokal in Campusnähe gestoßen. Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Felix Lindemann haben wir zunächst versucht, die Finanzierung aus privaten Mitteln auf die Beine zu stellen. Innerhalb von 14 Tagen konnten wir die Eigentümer*innen von unserem Umnutzungskonzept überzeugen. Gleichzeitig haben wir Fördermittel bei der Stadt München beantragt, die allerdings erst nach Projektstart ausgezahlt werden. Das Konzept von DON beruhte zudem darauf, über den Betrieb der Tagesbar Einnahmen zu erwirtschaften und so den Raum über sechs Monate selbst zu tragen. Das finanzielle Risiko lag dabei vollständig bei uns als Betreiber.
Luis Michal: Was war dabei euer persönlicher Antrieb für dieses mit der Umnutzung verbundene Risiko?
Matthias Faul: Uns ging es darum, den Beweis zu erbringen, dass eine ernsthafte und konsequent umsetzte Intervention Raum genauso transformieren kann wie eine klassische Baumaßnahme. Wir hatten täglich zwischen 130 und 200 Besucher*innen pro Tag, haben insgesamt 29 Ausstellungsabende veranstaltet und waren an vier Tagen pro Woche geöffnet. Dabei haben wir viele Menschen erreicht, die nichts mit Architektur zu tun haben – Laufkundschaft, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Künstler*innen. Außerdem haben wir hier Semesterabschlussprojekte in einem räumlichen Rahmen präsentiert, der im universitären Kontext so nicht möglich gewesen wären.
Luis Michal: Neben diesen beiden Projekten habt ihr auch die ehemalige Baustoffsammlung der TU München in den Veranstaltungsort Schaukasten N1 transformiert. Was konntet ihr dabei aus den vorangegangenen Projekten mitnehmen?
Matthias Faul: Der Schaukasten N1 ist wieder eine direkte Weiterentwicklung der Erkenntnisse aus dem Heizkraftwerk und der Galerie DON. Auch hier ging es darum, durch eine schnelle Transformation einen Raum in ein offenes Nutzungskonzept zu überführen und für Stadt und Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Nach der Schließung der Galerie DON im September 2025 haben wir gezielt nach einem Raum gesucht, der sich für universitäre Formate – etwa das Public Planning Lab, das Teil der Ausbildung der Regierungsbaumeister*innen des Freistaats Bayern ist – eignet. Milan Chakrabati, der diese Ausbildung verantwortet, hat Felix Lindemann und mich angesprochen, einen solchen einen Raum gemeinsam zu realisieren. Milan Chakrabati brachte das notwendige Wissen über administrative Abläufe ein, ich kannte die Räumlichkeiten und wusste, wie man darin eine besondere Atmosphäre schafft und Felix Lindemann verfügte über betriebliche Erfahrungen und das handwerkliche Geschick. In dieser Konstellation konnten wir im Schaukasten N1 das umsetzen, was wir bereits im Heizkraftwerk angestoßen hatten: einen Raum zu schaffen, der durch minimale Eingriffe maximale Wirkung entfaltet und neue Formen der Nutzung ermöglicht.
Luis Michal: Erfüllt der Raum dabei die notwendigen technischen Anforderungen wie Brandschutz, Versammlungsstättenverordnung oder handelt es sich um eine geduldete, temporäre Lösung?
Matthias Faul: Bevor wir den Raum nutzen konnten, mussten wir eine Gefährdungsbeurteilung, Betrachtung der Rettungswege und des Brandschutzes durchführen. Daraus ergaben sich konkrete bauliche Anpassungen – etwa der Rückbau einer Zwischenebene und zweier Treppen. Nun gibt es einen doppelgeschossigen Veranstaltungsraum, der trotz der sparsamen Mittel einen gewissen Repräsentationscharakter hat.
Luis Michal: Temporären Architekturen sieht man ihren provisorischen Charakter häufig auch gestalterisch an, zum Beispiel in Form von „Euro-Paletten-Architektur“. Wie geht ihr gestalterisch an das Thema Zwischennutzung heran?
Matthias Faul: Unser Ansatz ist es, mit einem klaren Leitmotiv und wenigen gestalterischen Prinzipien zu arbeiten – gewissermaßen einem reduzierten Baukasten, mit dem wir die räumlichen Herausforderungen lösen. Beim DON wollten wir die Atmosphäre eines Cafés erzeugen. Da es sich um eine Zwischennutzung handelte, war von Anfang an klar, dass wir alles weiß streichen müssen. Die Plakate wurden von Künstler*innen gestaltet und von uns händisch mit blauer Tinte bedruckt. Außerdem haben wir mit vielen Readymades gearbeitet: eine Bar, bereits vorhandene Stühle, oder Türen, die wir lediglich gestrichen haben, dazu Vorhänge über die gesamte Wandlänge, die so besonders großzügig im Raum wirken. Entscheidend ist für uns, dass die Räume nicht provisorisch erscheinen. Nur wenn die Nutzer*innen diese Räume wirklich wertschätzen, werden sie sich auch für den Erhalt einsetzen.
Luis Michal: Design ist bei euch also zum Werkzeug, Räume zu gestalten und sie durch ihrer Nutzerschaft zu verstetigen. Wie vermittelt ihr diese Methoden in der Lehre?
Matthias Faul: In der Lehre geht es vor allem darum, den Studierenden ein Bewusstsein für ihre eigenen Handlungsspielräume zu vermitteln. Sie sollen Räume wahrnehmen, Defizite erkennen daraus eigene Vorstellungen entwickeln, wie diese Orte anders genutzt werden könnten. Diese Ideen sollen sie dann in Bilder überführen, um Mitstreiter*innen für die Umsetzung zu gewinnen. Damit zielt unsere Ausbildung viel stärker auf Architektur als Prozess und Handlung, als auf den Entwurf fertiger Objekte. Genau das ist der eigentliche Sinn der Intervention: Die Studierenden werden aufgefordert, selbst aktiv zu werden, Kontakte zu knüpfen, Verantwortliche zu identifizieren, Abläufe zu organisieren und Projekte eigenständig umzusetzen. Das ist zunächst herausfordernd und führt sie aus ihrer Komfortzone. Gleichzeitig führt es aber auch dazu, dass sie innerhalb kurzer Zeit – oft in wenigen Monaten – wahnsinnig über sich selbst hinauswachsen können.
Infos
Matthias Faul (*1991), praktizierender Architekt und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Urban Design, TU München
Luis Michal (*1992), praktizierender Architekt (frommemichal architekten, München) und Autor, München