ARCH+ öffnet seinen kritischen Architekturdiskurs einem internationalen Publikum und erscheint ab sofort zweisprachig auf Deutsch und Englisch. Seit Jahrzehnten versteht die Zeitschrift Architektur als soziale, politische und kulturelle Praxis und prägt Debatten zu Wohnen, Urbanisierung, Ökologie, Arbeit und Machtverhältnissen. Mit dem neuen bilingualen Publikationsmodell und einem digitalen Monatsabo macht ARCH+ aktuelle Ausgaben und Archiv gleichermaßen über sprachliche Grenzen hinweg zugänglich.
Die vollständige Zweisprachigkeit ist kein Richtungswechsel, sondern eine strukturelle Anpassung. Sie trägt der Tatsache Rechnung, dass die Fragen, mit denen sich ARCH+ befasst, längst nicht mehr an nationale Debatten oder sprachliche Räume gebunden sind. Klimakrise, Wohnungsmangel, extraktive Regime der Raumproduktion, postkoloniale Machtstrukturen und der Umbau der Städte verlangen gemeinsame Begriffe und transnationale Diskurse. Die bilinguale Publikationspraxis öffnet Archiv und Gegenwart gleichermaßen für internationale Zirkulation, ohne lokale Spezifik zugunsten globaler Sichtbarkeit zu nivellieren.
Begleitet wird dieser Schritt von der Einführung eines digitalen Monatsabonnements, mit dem Abonnent*innen digitalen Zugriff auf das jeweils aktuelle Heft sowie auf das vollständige ARCH+ Archiv mit allen Ausgaben seit 1968 über einen auf der Website integrierten PDF-Reader erhalten. Dabei bleiben das charakteristische Layout, die grafische Struktur und der redaktionelle Rhythmus von ARCH+ erhalten. Das Archiv ist ein Arbeitsinstrument für Forschung und Lehre; weiterführende Funktionen zur vertieften Arbeit mit dem Archiv befinden sich derzeit in Entwicklung.
Denkraum Afrika / African Spatial Thinking
Da ARCH+ historisch überwiegend auf Deutsch publiziert wurde, spiegelt das digitale Archiv diese sprachliche Geschichte wider. Das mit Denkraum Afrika / African Spatial Thinking eingeführte bilinguale Format setzt einen neuen Standard für alle kommenden Ausgaben und markiert den Beginn einer systematischen Erweiterung des englischsprachigen Zugangs.
Denkraum Afrika versammelt Architekt*innen, Urbanist*innen, Theoretiker*innen und Aktivist*innen, die auf dem afrikanischen Kontinent und in seinen Diasporas arbeiten. Diese werden hier als Räume architektonischer Theoriebildung, historischer Tiefe und räumlicher Intelligenz verstanden. Anhand von Beiträgen zu Bodenregimen, (informeller) Urbanisierung, Klimaanpassung, Architekturgeschichte der Moderne und postkolonialer Planungspolitik untersucht die Ausgabe, wie Raum unter Bedingungen kolonialer Hinterlassenschaften, ökonomischer Asymmetrien und ökologischen Drucks produziert wird – und wie das daraus hervorgehende Wissen weit über den Kontinent hinaus wirkt.
Denkraum Afrika leistet damit mehr, als Repräsentation zu erweitern. Die Ausgabe stellt die Geografie architekturtheoretischen Denkens selbst infrage. Indem alle Beiträge auf Deutsch und Englisch erscheinen, adressiert ARCH+ die bekannte Asymmetrie der Wissenszirkulation: Ideen finden häufig erst nach der Übersetzung in eine dominante Sprache Verbreitung, während lokal verankerte Debatten marginalisiert bleiben. Denkraum Afrika / African Spatial Thinking gibt den Ton für dieses nächste Kapitel von ARCH+ vor: präzise, situiert und ausdrücklich international.
In diesem Sinne sind die bilinguale Ausrichtung von ARCH+ und die Öffnung des digitalen Archivs infrastrukturelle Entscheidungen darüber, wie architektonisches Wissen heute zirkuliert, wer Zugang erhält und unter welchen Bedingungen es Teil eines gemeinsamen Diskurses wird.
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