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ARCH+ news

Contested Modernities. Postcolonial Architecture in Southeast Asia

Diskursveranstaltungen, Ausstellung, ARCH+ 243

ab 16. April 2021

Die postkoloniale Architekturmoderne Südostasiens wird vor dem Hintergrund einer rasanten Urbanisierung einerseits und dem andauernden Prozess der Dekolonialisierung andererseits in der Region zunehmend thematisiert. In Deutschland und Europa sind jedoch weder die Architekturen noch diese Diskussionen präsent. Das Programm Contested Modernities bringt nun den südostasiatischen Diskurs mit einer Ausstellung und einer Reihe von Veranstaltungen nach Berlin, wo aktuell erstaunlich ähnliche Diskussionen um das baukulturelle Erbe der Moderne geführt werden. Start ist am 16.4. um 14 Uhr mit einem ersten Online-Symposium und dem Pre-Launch der dazu erscheinenden ARCH+ 243.

Projekt

Das Projekt Contested Modernities stellt aktuelle Positionen zur südostasiatischen Moderne in einen internationalen Dialog und eröffnet neue Sichtweisen auf die Geschichte, Bedeutung und Zukunft der Moderne – in der Region und darüber hinaus. Es ist Teil des langfristig angelegten Programms Encounters with Southeast Asian Modernism und fußt auf einem 2019 begonnenen Austausch zwischen dem Berliner Kurator*innenteam und Wissenschaftler*innen, Architekt*innen, Künstler*innen und Kurator*innen aus Phnom Penh, Jakarta, Yangon und Singapur sowie einer intensiven Auseinandersetzung mit der postkolonialen Architektur in den jeweiligen Städten. Die Erkenntnisse aus der gemeinsamen Arbeit und das im transdisziplinären Austausch entwickelte Wissen bilden den Ausgangspunkt für das Programm in Berlin. Contested Modernities ist eine Initiative der Kurator*innen Sally Below, Moritz Henning, Christian Hiller und Eduard Kögel. Das Projekt wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds Berlin und das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Diskurs

Am 16. April beginnt das umfangreiche Diskursprogramm mit einem ersten Online Symposium „Building Modernities“ und dem Pre-Launch der gleichnamigen ARCH+ 243, das von 14 bis 17 Uhr auf Zoom (hier geht es zur Anmeldung) und in englischer Sprache stattfindet. Mit der Erlangung der Unabhängigkeit Mitte des 20. Jahrhunderts wandelte sich auch das Erscheinungsbild vieler Städte Südostasiens. Denn Hand in Hand mit der Aufgabe, sich als Nation zu konstituieren, gab es den Wunsch nach einem symbolträchtigen Neubeginn auch in Architektur und Städtebau. Die internationale Moderne lieferte nicht nur das ästhetische Programm, in dem sich die Erwartungen an Fortschritt und Wohlstand spiegelten, sondern diente auch als Mittel der Emanzipation.

Während viele Planer*innen der ehemaligen Kolonialmächte auch nach der Unabhängigkeit in den Ländern arbeiteten, begannen junge, einheimische Architekt*innen, die teilweise in Europa, den USA oder der Sowjetunion ausgebildet waren, mit der Suche nach einer identitätsstiftenden Gestaltung, die vom Klima und der spezifischen Kultur geprägt war. Einige von ihnen fanden sich in informellen Netzwerken über Ländergrenzen hinweg zusammen und suchten nach Ideen für die Stadt in den Tropen. Darüber hinaus entstanden im Zuge der politischen Neuorientierung der jungen Nationen neue, zwischenstaatliche Kooperationen und damit auch neue Wege des Wissens- und Architekturtransfers. Doch wie funktionierten diese internationalen Netzwerke? Wer hat sie initiiert? Gab es Konflikte in der Zusammenarbeit, und wenn ja, wie wurden sie ausgetragen? Welche geopolitischen Ambitionen standen hinter diesem Engagement?

Die Beitragenden des ersten Symposiums, das von Anh-Linh Ngo von der ARCH+ moderiert wird, sind:
Christina Schwenkel, Professorin, Department of Anthropology, University of California, Riverside: Anticolonial Solidarity and Decolonial Planning in Vietnam
Eduard Kögel, Forscher: Julius Posener and Lim Chong Keat: The Malayan Architect on Trial
Wee H. Koon, Architekt, Forscher und Lehrender: An Emergent Asian Modernism
Farid Rakun, ruangrupa/Gudskul: On transdisciplinary networks

Im Anschluss an die vorhergehenden Beiträge diskutieren Farid Rakun vom Kollektiv ruangrupa, das die künstlerische Leitung der documenta 15 innehat, und Anh-Linh Ngo über transdisziplinäre und transnationale Netzwerke und Wissensaustausch zwischen Kunst und Architektur.

Programm

Im Verlauf des Jahres kommen weitere Akteur*innen aus Südostasien mit Initiativen aus Berlin und internationalen Expert*innen aus Architektur, Kunst, Wissenschaft und Verwaltung in digitalen Diskursveranstaltungen zusammen, um gemeinsame Themenstellungen und Handlungsansätze zu reflektieren und aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Eine Ausstellung mit Beispielen aus den oben genannten Städten, die sich an den Schnittstellen architektonischer, künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeit kritisch mit den Erzählungen der postkolonialen Architekturmoderne und dem Umgang mit diesem baukulturellen Erbe auseinandersetzen, ist für den Herbst 2021 im Berliner Haus der Statistik geplant. Dazu kommen aus Deutschland Ost und West Projekte der Entwicklungshilfe und der sozialistischen Solidarität, die zeigen, dass es im Kalten Krieg auch auf diesem Feld unterschiedliche Positionen gab.

ARCH+ 243

Die im Rahmen des Projekts veröffentlichte Ausgabe  ARCH+ 243 ist ab dem 27.4.2021 im Handel erhältlich.