Die Plantage ist kein abgeschlossenes Kapitel der Vergangenheit. Als Institution der Rassifizierung und als weltgestaltendes ökonomisches System gewinnt sie zunehmend an Bedeutung für das Verständnis und die Theoriebildung der Moderne, deren Krisen sich zuspitzen. Seit dem 15. Jahrhundert etablierte sich die Plantage als extraktives System, das untrennbar mit kolonialer Expansion, der Versklavung und Zwangsarbeit von Millionen Menschen sowie der massenhaften Aneignung von Land verbunden war. Ganze Ökosysteme wurden in monokulturelle Produktionsmaschinen für den globalen Export verwandelt: Baumwolle, Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Palmöl und andere sogenannte Cash-Crops. Die Geschichtswissenschaft hat aufgezeigt, wie dieses System den Aufstieg des Kapitalismus befeuerte, tiefgreifende ökologische Veränderungen anstieß und wie seine Nachwirkungen bis heute politische Machtverhältnisse und rassistische Ungleichheiten prägen.