Die postkolonialen Gesellschaften des Globalen Südens, für die Kolumbien hier beispielhaft steht, sind von enormer Ungleichheit geprägt. Während eine kleine Elite über Reichtum und politische Macht verfügt, kämpft die Mehrheit der Bevölkerung Tag für Tag ums Überleben. Diese Kluft manifestiert sich im Stadtbild: Gated Communities, luxuriöse Wohntürme und imposante Regierungsviertel stehen wie Inseln in einem Meer von selbstgebauten und sich selbst überlassenen Siedlungen, die sich an den Stadträndern, Berghängen und auf anderen unattraktiven Flächen ausbreiten. In diesen informellen Siedlungen – bekannt als Barrios Populares, Slums oder Favelas – herrschen oftmals prekäre Wohn- und Lebensbedingungen. Überbelegte Behausungen, fehlende Sanitär- und Gesundheitsversorgung sowie mangelnde Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten prägen den Alltag. Die Abwesenheit des Staates verstärkt nicht nur die Ungleichheit, sondern auch die Kriminalität. Doch sie schafft auch Raum für Solidarität und gemeinschaftliches Engagement innerhalb der Communities.