Die Statistiken über Wohnungsleerstand in Japan sind beunruhigend. Betroffen ist davon nicht allein der ländliche Raum, sondern auch in urbanen Gebieten wird Leerstand zunehmend zum Problem: Die Stadt höhlt sich von innen aus. Die Besiedelung wird dünner, informelle soziale Netzwerke zerfallen, das Leben auf den Straßen verschwindet allmählich. Es ist ein Teufelskreis, der die Attraktivität der Viertel weiter zurückgehen lässt. Im städtischen Kontext ist akiya (Wohnungsleerstand) eng mit dem Phänomen der shattā-dōri („Rollladenstraße“) verknüpft. Damit sind verwaiste Straßenzüge gemeint, in denen die metallenen Rolltore der Ladenlokale aufgrund des Leerstands dauerhaft geschlossen bleiben. In solch einer Situation fand sich Studio GROSS wieder, als es 2018 ein zweigeschossiges Eckhaus im Tokioter Arbeiterviertel Arakawa bezog, um es in Eigenregie zu renovieren und umzubauen.