In seiner Fotoserie The Worker’s Project von 2021 porträtiert der Architekt und Fotograf Leonhard Clemens Bauarbeiter auf einer Berliner Baustelle und stellt so jene Personen in den Fokus, die in der allgemeinen Rezeption von Architektur nicht berücksichtigt werden. Wird über Urheber*innen von Bauwerken diskutiert, spricht man in erster Linie über die Architekt*innen. Der Mythos des singulären Genies hält sich hartnäckig, obwohl es kein Geheimnis ist, dass viele verschiedene Menschen in den Prozess involviert sind. Leonhard Clemens verhilft den Bauarbeitern zu Sichtbarkeit, schützt aber ihre Anonymität – was keine fehlende Wertschätzung, sondern eine Maßnahme angesichts ihrer prekären Arbeitsbedingungen und ihres Aufenthaltsstatus ist. Respekt und Solidarität gegenüber allen an der Bauwirtschaft Beteiligten ist es, was Clemens einfordert. Zugleich erinnert er die Architekt*innenschaft daran, dass sie Teil derselben Arbeits- und Verwertungslogik sind.