Das Wiener Modell
In der Debatte um eine neue Wohnungsfrage findet sich Wien oft als Ausnahme dargestellt: Wohnen ist in dieser Stadt in weiten Teilen kommunal reguliert und dekommodifiziert, leistbarer Wohnraum findet sich über die ganze Stadt verteilt. Etwa hundert Jahre reicht die Praxis, die Stadt mit Hilfe des Wohnungsbaus zu reformieren, zurück, die kein Wiener Spezifikum ist. Was Wien von anderen europäischen Großstädten unterscheidet, ist der Umfang und die Ausprägung, mit dem das Projekt (lokal)staatlicher Wohnungsproduktion vom „erweiterten Staat“[1] betrieben wurde. Anders als in vielen Städten wurde der soziale Wohnbau nicht aufgegeben oder die Bestände gar verkauft, sondern als Instrument der Regulierung und Reform wiederholt aktualisiert und den jeweiligen sozialen, politischen und ökonomischen Verhältnissen und Zielsetzungen angepasst.