Genealogie des Wiener Wohnbaus im territorialen Kontext
Der soziale Wohnungsbau in Wien besitzt eine bald hundertjährige Geschichte. Seine Grundlagen waren emanzipatorische Bestrebungen und die Vorstellung, über Wohnformen gesellschaftspolitische Ordnungen repräsentieren und verfestigen zu können. Er kann – wie der moderne Wohnbau insgesamt – als eine Reform städtischer, als defizitär betrachteter Lebensformen interpretiert werden. Waren es in London innerstädtische Slums, die viktorianische Sozialreformer auf den Plan riefen, so standen im Wien des frühen 20. Jahrhunderts vor allem die berüchtigten Mietskasernen und das Bettgehertum im Verruf, prekäre Wohnverhältnisse zu reproduzieren.[1]