Lu Ban Hap im Gespräch mit Moritz Henning
Lu Ban Hap, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiert, war im Kambodscha der 1960er-Jahre einer der wichtigsten Architekten und Stadtplaner. Er studierte von 1949 bis 1959 in Paris und machte an der École Spéciale d’Architecture sein Diplom. Nach Vann Molyvann ist er der zweite ausgebildete Architekt seiner Heimat. Zurück in Phnom Penh, damals Hauptstadt des unabhängigen neutralen Königreichs Kambodscha, wurde er umgehend mit dem Aufbau des Service Municipal de l’Habitation et de l’Urbanisme beauftragt. Mit zwölf Mitarbeitern ausgestattet, war sein Amt für nahezu alle Bereiche des Planens und Bauens in der boomenden Hauptstadt zuständig, von der Ausweisung neuer Baugebiete, Planung und Instandhaltung öffentlicher Bauten und Gartenanlagen, Baugenehmigungen, Straßenbau, Beleuchtung, Müllentsorgung bis hin zur Wasser- und Stromversorgung. Für viele Aufgaben, mit denen sich Lu konfrontiert sah, gab es im Land keine Expertise, weshalb er die Welt bereiste, um sich zu informieren. Beamter zu sein, war Lu allerdings zu wenig. Gemeinsam mit seiner Frau Armelle baute er ein eigenes Architekturbüro auf, gründete eine Baufirma, wurde Konzessionär einer Pooltechnikfirma für Indonesien, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam und betrieb eine Tankstelle. Am 17. April 1975 marschierten die Roten Khmer in Phnom Penh ein. Lu wurde wie Millionen andere aus der Stadt vertrieben und zur Landarbeit gezwungen. Nach drei Monaten gelang ihm die Flucht nach Paris, wohin sich seine Frau mit den Kindern bereits 1970 in Sicherheit gebracht hatte. Bis heute befindet sich ihr Lebensmittelpunkt in Frankreich.