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Porträt des Architekten Werner Düttmann vor einem Fest, o.J © Foto: Ingeborg Lommatzsch Pablo Picasso: © Succession Picasso / VG Bild- Kunst, Bonn 2021
ARCH+ news

Begegnungen mit Düttmann: Diskursveranstaltungen von ARCH+

Im Rahmen der vom Brücke-Museum ausgerichteten Überblicksschau Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk., die noch bis zum 29. August 2021 zu sehen ist, finden 4 von ARCH+ konzipierte, diskursive Veranstaltungen statt.

Als Architekt, Senatsbaudirektor, Professor an der TU Berlin und Präsident der Akademie der Künste war Werner Düttmann, der am 6. März 2021 hundert Jahre alt geworden wäre, eine der zentralen Persönlichkeiten von West-Berlin und prägte die städtebauliche Identität Berlins bis heute. Im Rahmen der vom Brücke-Museum ausgerichteten Ausstellung Werner Düttmann. Berlin. Bau. Werk., die noch bis zum 29. August 2021 zu sehen ist, finden vier von ARCH+ konzipierte, diskursive Rundgänge als Teil des Begleitprogramms statt: 

Freitag, 18.6., 19–20.30 Uhr, Mehringplatz und Hedemannstraße:
Über sozialen Wohnungsbau mit Alexander Hoff (Architekturhistoriker), Frank Seehausen (Architekt/Kunsthistoriker) und Niloufar Tajeri (Architektin/Architekturtheoretikerin)

Mittwoch, 23.6., 19–20.30 Uhr, Akademie der Künste:
Über Denkmalschutz mit Winfried Brenne (Architekt), moderiert von Luise Rellensmann (Architekturkritikerin/-wissenschaftlerin)

Donnerstag, 1.7., 19–20.30 Uhr, bei der Grauen Laus:
Über Stadtentwicklung mit Niklas Fanelsa (Architekt) und Florian Heilmeyer (Architekturjournalist/Kurator)

Mittwoch, 25.8., 18.30–20 Uhr in St. Agnes:
Über Umnutzung mit Kerstin Wittmann-Englert (Architekturhistorikerin) und Arno Brandlhuber (Architekt), moderiert von Anh-Linh Ngo (ARCH+).

Tickets können hier bestellt werden.

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Über sozialen Wohnungsbau. Diskursiver Rundgang
Freitag, 18.6., 19–20.30 Uhr, am Mehringplatz und in der Hedemannstraße

1.550 Wohnungen, ein Altenheim mit 87 Wohneinheiten, ein Jugendzentrum, eine Kita und Gewerbeflächen. Das machte Werner Düttmann 1966–1975 aus der von seinem Lehrer Hans Scharoun entwickelten städtebaulichen Planung, die für den Wiederaufbau des im 2. Weltkrieg zerstörten Mehringplatzes ursprünglich ausschließlich Büro- und Verwaltungsbauten vorsah. Wenige Schritte weiter errichtet er 1973–1975 in der Hedemannstraße eine rund 300 Einheiten umfassende Wohnanlage, bei deren Gestaltung er zuallererst immer von den Bedürfnissen seiner Bewohner*innen ausging. Alexander Hoff, Frank Seehausen und Niloufar Tajeri über optimale Grundrisse gestern und heute.

Alexander Hoff ist Architekturhistoriker und Mitarbeiter der Deutschen Welle in Berlin. Er studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Europäische Ethnologie in Mainz und Berlin, arbeitet als freier Inventarisator, Autor und Kurator mit Schwerpunkt Architektur der Nachkriegmoderne.

Frank Seehausen ist Architekt und Kunsthistoriker, arbeitet beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, als Dozent, freier Autor und Kurator mit den Schwerpunkten Architektur und Architekturfotografie. Veröffentlichungen zur Architektur der Nachkriegsmoderne, Architekturfotografie, Bewegung und Betrachterlenkung in Architektur und Stadtplanung.

Niloufar Tajeri ist Architektin und Architekturtheoretikerin, lebt in Berlin und lehrt am Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und Stadt (GTAS) der TU Braunschweig. Sie war Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude und arbeitet u. a. zu Großwohnbauten der Nachkriegszeit und ihrer Transformation. Sie ist Mitherausgeberin von u. a. „Nights of the Dispossessed. Riots Unbound“ (2021) und „Kleine Eingriffe. Neues Wohnen im Bestand der Nachkriegsmoderne“ (2016).

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Über Denkmalschutz. Diskursiver Rundgang
Mittwoch, 23.6., 19–20.30 Uhr in der Akademie der Künste:

Als Verantwortlicher der vor zehn Jahren durchgeführten Generalsanierung kennt Winfried Brenne die Akademie der Künste im Hansaviertel wie kein anderer. Das von Werner Düttmann gemeinsam mit Sabine Schumann 1958–1960 geplante dreigliedrige Gebäudeensemble umfasst Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sowie ein Verwaltungsgebäude und zeichnet sich durch seine durchkomponierte Materialverwendung und Farbgestaltung besonders aus. Diese galt es bei den Sanierungsarbeiten wieder an ihre ursprüngliche Form anzunähern, wurden sie über die Jahre durch Abnutzung und leichte Eingriffe doch stellenweise überzeichnet. Auch die Aufrüstung auf den heutigen technischen und energetischen Stand sollte vonstatten gehen, ohne dabei das ursprüngliche Erscheinungsbild in Mitleidenschaft zu ziehen. Im Rundgang mit Luise Rellensmann erzählt Winfried Brenne über die Herausforderungen eines denkmalgerechten Sanierens.

Winfried Brenne führt seit 1990 das Büro Brenne Architekten in Berlin, mit dem er sich vor allem durch seinen sachkundigen Umgang mit historischer Bausubstanz einen Namen machte. Die Sanierung von Ikonen wie Walter Gropius’ Bauhaus Dessau, Hans Scharouns Theater Wolfsburg und Bruno Tauts Siedlung Schillerpark in Berlin, sind nur einige wenige seiner zahlreichen Projekte. Für sein Engagement in der Denkmalpflege wurde Brenne 2007 mit dem Verdienstorden am Bande der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Luise Rellensmann ist Autorin und Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Denkmalpflege der BTU Cottbus-Senftenberg, wo sie derzeit am Forschungsprojekt „Denkmalpflege ohne Denkmalpfleger*innen? Theorien des Weiterbauens“ arbeitet.

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Über Stadtentwicklung. Diskursiver Rundgang
Donnerstag, 1.7., 19–20.30 Uhr bei der Grauen Laus

Wo sich heute die von Werner Düttmann 1968–1970 entworfenen Wohnscheiben am Wassertorplatz erheben, standen früher einfache Wohnhäuser aus der Gründerzeit. Auch das Lokal „Zur Grauen Laus“, von dem sich der unter Berliner*innen verbreitete Name für den Bau ableitet, musste weichen. Im Zuge der städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen wurde das Gebiet in Kreuzberg von Düttmann mit rund 1.300 Wohneinheiten bebaut. Niklas Fanelsa ist mit seinem Büro Atelier Fanelsa einer der Mieter der Gewerbeflächen im Erdgeschoss und wird gemeinsam mit Florian Heilmeyer, der kürzlich in ARCH+ eine kleine Geschichte der Stadtentwicklung rundum die Ritterstraße publiziert hat, durch die Nachbarschaft führen.

Niklas Fanelsa untersucht mit seinem Büro Atelier Fanelsa zeitgenössische Formen des Wohnens, Arbeitens und Gemeinschaffens auf dem Land, in der Peripherie und in der Stadt. Dabei realisieren sie private Bauprojekte, öffentliche Gebäude, Workshops und Ausstellungen. 2019–20 war Fanelsa Emerging Curator am Canadian Centre for Architecture in Montréal.

Florian Heilmeyer ist Architekturjournalist und Kurator in Berlin. Er ist Korrespondent für Werk, Bauen + Wohnen (Schweiz) und Metropolis (USA) und schreibt regelmäßig für Organe wie baunetz.de und Baumeister.

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Über Umnutzung. Diskussion
Mittwoch, 25.8., 18.30–20 Uhr in St. Agnes:

Das in den 1960er-Jahren von Werner Düttmann entworfene Kirchenzentrum St. Agnes in Kreuzberg wurde aufgrund der schrumpfenden Gemeinde 2005 entwidmet und nach einer Reihe von Zwischennutzungen 2011 von dem Galeristen Johann König in Erbpacht übernommen. Dieser ließ das unter Denkmalschutz stehende Areal von Brandlhuber+ Emde, Burlon und Riegler Riewe für seine Zwecke behutsam umbauen. Im Zentrum der Arbeiten stand dabei das Kirchengebäude, das durch den Einzug einer Zwischendecke zu einem Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst wurde. Wie ist ein solcher Eingriff aus denkmalpflegerischer Sicht zu beurteilen, bei dem der Charakter des Raums stark verändert wird? Im Gespräch mit Kerstin Wittmann-Englert, die 2009 bis 2018 Vorsitzende des Landesdenkmalrates Berlin war, spricht der Architekt Arno Brandlhuber über seinen minimalinvasiven Eingriff, und sie diskutieren zusammen mit Anh-Linh Ngo als Moderator den Umgang mit dem Düttmannschen Erbe.

Arno Brandlhuber ist Architekt und Stadtplaner und führt seit 2006 Brandlhuber+. Seine Arbeit umfasst Architektur- und Forschungsprojekte, Ausstellungen und Publikationen sowie politische Interventionen. Seit 2017 ist Brandlhuber Professor für Entwurf und Architektur an der ETH Zürich. Gemeinsam mit Olaf Grawert, Nikolaus Hirsch und Christopher Roth kuratiert er den Deutschen Pavillon der 17. Architekturbiennale 2021 in Venedig.

Kerstin Wittmann-Englert ist Professorin für Architekturgeschichte an der TU Berlin. Als ehemalige Vorsitzende des Landesdenkmalrates Berlin hat sie die Denkmalpolitik aktiv begleitet und ist seit 2014 Mitglied bei ICOMOS sowie seit 2016 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Wüstenrot Stiftung.

Anh-Linh Ngo ist Architekt, Autor und Mitherausgeber von ARCH+. Er ist Kuratoriumsmitglied der IBA 2027 StadtRegion Stuttgart und Mitinitiator des Forschungsprojekts Cohabitation, dessen Ergebnisse im Sommer 2021 in einer Ausstellung und zahlreichen Veranstaltungen in Berlin präsentiert werden.