An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens

Eine Ausstellung des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) in Zusammenarbeit mit ARCH+

Deutschlandpremiere: Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin
Eröffnung: 22. Juni 2018, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 23. Juni bis 26. August 2018
Weltweite Tournee für rund zehn Jahre, Auslandspremiere 2019: Pittsburgh (USA), in Kooperation mit der School of Architecture der Carnegie Mellon University

An Atlas of Commoning: Orte des Gemeinschaffens. Eine Ausstellung des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen – in Zusammenarbeit mit ARCH+

Kuratorisches Team: Anh-Linh Ngo, Mirko Gatti, Christian Hiller, Max Kaldenhoff, Christine Rüb (ARCH+), Elke aus dem Moore (ifa), Stefan Gruber (CMU)

Forschungspartner: School of Architecture, Carnegie Mellon University Pittsburgh und Technische Universität Berlin, Institut für Architektur, Fachgebiet Prof. Rainer Hehl

 

Kontext

Facebook, Airbnb & Co., deren Geschäftsmodell auf der Kommerzialisierung sozialer Beziehun­gen basiert, haben Begriffe wie Community oder Sharing in leere Wort­hülsen verwandelt. Konzepte wie ‚Wir‘ oder ‚Teilen‘ stehen nicht mehr für Solidarität oder eine progressi­ve politische Agenda, sondern bilden die Grundlage des aufkommenden Platt­formkapita­lismus. Begleitet wird diese ökonomische Entwicklung von einer weltweiten politischen Wende, die sich aus überkommenen Gemeinschaftsvorstellungen von Identität und Zuge­hörigkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung speist.

Vor diesem Hintergrund will das Ausstellungs- und Publikationsprojekt An Atlas of Commoning den offenen und emanzipatorischen Raum des Wir zurückerobern und neu definieren. Das Projekt fokussiert dabei auf städtische Gemeingüter, die heute jedoch weit mehr als die traditionellen Allmenden umfassen und sich auch auf immaterielle Bereiche wie Wissen, Daten und Governance erstrecken. Unter Gemeingut wird hier die Schaffung und Bewirtschaftung (materieller und immaterieller) kollektiver Ressourcen und Räume verstanden, die die Grundlage demokratischer Teilhabe bilden.

Diese Bedeutungsverschiebung bringt die Wortneuschöpfung ‚commoning‘ beziehungs­weise ‚gemeinschaffen‘ als Verb zum Ausdruck. Gemeinschaffen ist ein Prozess der Aus­handlung von Unterschieden und Konflikten zwischen Individuum, Gemeinschaft und Gesellschaft. Ein Prozess der räumlichen Organisation der Beziehungen zwischen Pro­duktion und Reproduktion, Eigentum und Zugang zu Ressourcen. Ein Prozess, in dem So­lidaritätsnetzwerke geknüpft und die individuellen und kollektiven Rechte neu definiert werden. Das Projekt stellt somit die vorherrschenden sozialen und politischen Strukturen in Frage und sucht nach neuen Formen der kollektiven und dennoch pluralistischen Governance.

Ausstellungskonzept

Ausgangspunkt der Ausstellung bildet ein Atlas, ein visuelles Archiv im Sinne Aby War­burgs mit vielfältigen Fallbeispielen aus Geschichte und Gegenwart. Der Atlas, der von ARCH+ in Zusammenarbeit mit der School of Architecture der Carnegie Mellon Univer­sity erarbeitet wird, präsentiert Projekte des Gemeinschaffens in Hinblick auf ihr Regel­werk sowie ihren architektonischen und räumlichen Ausdruck.

Die zunächst 30 ausgewählten Kernprojekte werden im Zuge der Ausstellungstournee an den verschiedenen Ausstellungsorten unter Mitwirkung lokaler Akteure ergänzt und er­weitert. So wächst der Atlas of Commoning als offenes Wissensarchiv zu einer wertvollen Dokumentation lokaler Grassroots-Projekte.

Der Atlas geht in eine vertiefte Untersuchung dreier thematischer Spannungsfelder über, in denen sich die konflikthaften Aushandlungsprozesse des Gemeinschaffens abspielen:

·      Eigentum – Zugang beschäftigt sich mit den klassischen Fragen des Gemeinguts und hinterfragt unser Verständnis von Eigentum, mit einem speziellen Fokus auf die Bodenfrage angesichts der zügellosen Kommodifizierung der städtischen Umwelt.

·      Produktion – Reproduktion widmet sich der Auflösung der modernen Funktionstren­nung von Wohnen und Produktion und wirft Licht auf neue, kollektive Formen des Arbeitens und Lebens jenseits der Paradigmen des 20. Jahrhunderts, deren Grundlage die Genderpolitik der häuslichen Arbeit bildete.

·      Recht – Solidarität erforscht den Begriff der universellen Rechte im Kontext des globalen Kapitalismus und diskutiert neue Modelle der Governance, die über die Grenzen der Nationalstaaten hinausreichen.

Die Themenfelder beinhalten ausgewählte Fallbeispiele aus dem Atlas, die unter Einsatz verschiedener Medien eingehend analysiert werden. Eine herausgehobene Stellung neh­men dabei Architekturmodelle ein, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Architek­tur der TU Berlin entstehen und als konzeptuelle Darstellungen kollektiver Prozesse in ar­chitektonischer Form umgesetzt werden. Künstlerische Arbeiten eröffnen darüber hinaus weitere Zugänge zum Thema. 

Im Rahmen der Ausstellung erscheint eine Ausgabe von ARCH+, die einen weitrei­chenden Einblick in wichtige theoretische Positionen und praktische Beispiele gibt. Ziel ist ein multiperspektivischer Überblick über das Gemeinschaffen als entscheidendes In­strument transkultureller Verständigung und als Potential globaler Vernetzung über ökonomische und nationale Grenzen hinaus.

Mit Beiträgen von:

Morehshin Allahyari & Daniel Rourke, Golan Levin & Shawn Sims / Assemble & Granby Workshop / Auroville / Iwan Baan / DAAR Decolonizing Architecture Art Residency / Theo Deutinger / Eureka / FATkoehl & Christian Burkhard / Manuel Herz / Sandi Hilal | Philipp Misselwitz | Anne Misselwitz / Kotti & Co / Kuehn Malvezzi / Angelika Levi / La Maloca Tukano / NLÉ Architects / PlanBude / Prinzessinnengarten / Martha Rosler / Harald Trapp & Robert Thum / Urban Think Tank / WiLMa19 / Samson Young

Der Atlas of Commoning enthält zudem Arbeiten von:

Atelier d’Architecture Autogérée, BARarchitekten, Campo de la Cebada, Silvia Carpaneto, Go Hasegawa and Associates, ARGE ifau | HEIDE & VON BECKERATH, Müller Sigrist Architects, Refugee Accommodation and Solidarity Space City Plaza, Schneider Studer Primas, Stad in de Maak / City in the Making, Zones Urbaines Sensibles, Zusammenarbeiter

An Atlas of Commoning ist eine Ausstellung des ifa (Institut für Auslandsbeziehungen) in Zusammenarbeit mit ARCH+ Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. Die Ausstel­lung wird in Berlin in Kooperation mit dem Kunstraum Kreuzberg/Bethanien präsentiert.

Ausstellungsgestaltung: SSW Architekten
Ausstellungsgrafik: Heimann und Schwantes

ifa – Institut für Auslandsbeziehungen

Das ifa ist die älteste deutsche Mittlerorganisation und feierte 2017 sein 100-jähriges Bestehen. Es engagiert sich weltweit für ein friedliches und bereicherndes Zusammenleben von Menschen und Kulturen. Seine Programme verfolgen fünf Kernthemen: Kunst- & Kulturaustausch, Dialog der Zivilgesellschaften, Flucht & Migration, Kultur & Konflikt und Europa. Das ifa fördert den Kunst- und Kulturaustausch in Ausstellungs-, Dialog- und Konferenzprogrammen und agiert als Kompetenzzentrum der Auswärtigen Kultur- und Bildungs­politik, ist weltweit vernetzt und setzt auf langfristige, partnerschaftliche Zusammenarbeit. Es wird gefördert vom Auswärtigen Amt, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart. www.ifa.de

 

ifa    

 

University of East London (UEL)

 

TU Berlin

 

 

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