ARCH+ 229


Erschienen in ARCH+ 229,
Seite(n) 54-61

ARCH+ 229

1980er-Jahre: Ceaușescus 
postmodernes Manifest

Von Zahariade, Ana Maria

Die Metapher, die der Ausstellung Am Ende: Architektur am Architekturzentrum Wien zugrunde lag, war die eines Archipels aus Architekturinseln, welche durch die Krise des Projekts der Moderne an die Oberfläche gebracht worden waren. Der Besucher segelte auf bewährten Seewegen durch den Archipel, gelangte zu Referenzinseln, deren Geschichten in bekannten Häfen erzählt wurden. Die individuellen Erfahrungen wurden so zu einem gemeinsamen Narrativ zusammengeführt, dessen verbindendes Element in den Krisen besteht, die zur Entstehung der Inseln führten. Der 20. Wiener Architektur Kongress setzte sich mit diesem Narrativ, diesem architektonischen ‚Auf und Ab‘, in einer schrittweisen Annäherung durch die Jahrzehnte auseinander.

Die kleineren, am Rande des Archipels gelegenen Inseln haben ihre eigenen Geschichten, denn die Narrativbildung erfolgt dort gezwungenermaßen eigenständiger. Da ich selbst von einer solch abgelegenen Insel komme, stelle ich mir oft die Frage nach der Relevanz dieser Geschichten. Für eine präzisere Kartierung der Architekturgeografie sind sie zweifellos nützlich, aber es ist fraglich, ob sie mehr offenbaren können als bloße Berichte über exotische Architekturwelten. Wenn es, wie in Teilen des Kongresses, um „Konflikte und Missverständnisse“ geht, können solche peripheren Orte jedoch durchaus etwas zu der Frage beitragen, wie der Berufsstand mit Ideologien umgeht (unabhängig davon, ob diese politischer oder fachlicher Natur sind, ob sie einer fachinternen oder fachfremden Logik folgen). Sie können verdeutlichen, wie schnell inhaltliche Konzepte in oberflächliche Formenspielerei münden. Anhand der 1980er-Jahre wurde auf dem Kongress der „Einfluss der Postmoderne auf die Stadtdebatte“ betrachtet; analog dazu möchte ich im Folgenden die Entwicklungen dieses Jahrzehnts auf der ‚rumänischen Insel‘, einem der exotischeren Orte des Archipels, nachzeichnen.  

 

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