ARCH+ 229


Erschienen in ARCH+ 229,
Seite(n) 62-69

ARCH+ 229

1980er-Jahre: Ein neues Narrativ – 3 Thesen zur Aktualität der Postmoderne

Von Elser, Oliver

1    Die Postmoderne hat es nie gegeben – 
und sie ist immer noch da. 2    Die Postmoderne ist zur Neo-Postmoderne mutiert 
und kann seit einigen Jahren so viele Anhänger gewinnen wie seit den 1980er-Jahren nicht mehr. 3    Die Postmoderne ist kein Stil, 
aber Formen sind ihre Sprache.

Anlass für diesen Text ist der sehr unbefriedigende Verlauf eines Panels auf dem 20. Wiener Architektur Kongress im November 2016. Es sollte um die 1980er-Jahre gehen. Der Begriff der Postmoderne stand neongrell leuchtend im Raum. Wilfried Wang hielt zum Auftakt einen Vortrag, im dem er sich über einige Bauten der 1980er-Jahre erregte, argumentierte dabei aber im Grunde versöhnlich. Er warb für ein sehr postmodernes Thema, nämlich eine selbstverständliche Einfachheit des Bauens in reduziert-traditioneller Formensprache. Auf dem anschließenden Podium aber wurde die Stimmung ungemütlich. Zwischen Ana Maria Zahariade, Rob Krier, Hermann Czech und Wilfried Wang wollte kein konstruktiver Austausch entstehen. Krier sah sich als Protagonist der Postmoderne an den Pranger gestellt, obwohl doch das Ziel ganz im Gegenteil darin bestehen sollte, einen neuen, interessierten Blick auf die Postmoderne und die 1980er-Jahre zu werfen. Das Publikum lernte immerhin eines: dass der Begriff Postmoderne immer noch von Minenfeldern umgeben ist und dass wirklich niemand und unter keinen Umständen als postmoderner Architekt angesprochen werden möchte.

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