ARCH+ 229


Erschienen in ARCH+ 229,
Seite(n) 74-77

ARCH+ 229

2000er-Jahre: Das Millennium hat begonnen – Architekturen der Behauptung in Zeiten von Terror, Krisen, Katastrophen

Von Krasny, Elke

Das erste Jahrzehnt des neuen Jahrtausends hatte dystopische Erinnerungen geweckt: Terror, Krisen, Katastrophen allerorten. Die Anfälligkeit des globalisierten ökonomischen Systems, die Verletzlichkeit, ja Zerstörbarkeit unseres Planeten wurde in aller Deutlichkeit sichtbar. Hinzu kommt ein terrorbasierter Krieg, der bis heute andauert. Die Erschütterungen sind enorm. Wie hat sich die Architektur in diesen Erschütterungen behauptet?

Über die Architektur des beginnenden 21. Jahrhunderts sprechen zu wollen ist gewagt. Es scheint sie nicht mehr zu geben, nicht mehr geben zu können, die Architektur.

Vielmehr gibt es viele Architekturen: Star-Architektur, Spektakulär-Architektur, Developer-Architektur, Anleger-Architektur, Global-Architektur, Reparatur-Architektur, Lokal-Architektur, generische Architektur, Retro-Architektur, Katastrophenhilfs-Architektur, postkritisch-pragmatische Architektur, engagiert-kritische Architektur, Interventions-Architektur und so weiter. Ein Begriff, der sowohl Stil als auch Narrativ, Ästhetik, Produktionstechnologien und Ökonomien fasst – wie die moderne, die postmoderne oder die dekonstruktivistische Architektur –, ist für die jüngste Architekturvergangenheit, die Noch-Gegenwart, nicht in Sicht. Mit gutem Grund. Die Entwicklung lässt sich nicht auf einen Begriff bringen. Das Spektrum reicht in Zeiten des spekulationssüchtigen, flexibilisierenden, neoliberalen und krisenanfälligen Globalkapitalismus von Spektakel in maximaler Investitionshöhe bis zu kritischer Akupunktur mit Minimalbudget.

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