ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 90-91

ARCH+ 222

Intro: Gestalten des Selbst

Von Oswalt, Philipp /  Bovelet, Jan

In den letzten Jahren ist das Individuum in den Fokus des Designdiskurses gerückt. Gesellschaften prägen nicht nur Individuen, sondern Individuen konstituieren mit ihren Praktiken Gesellschaften. Diesen Punkt hat der Soziologe Norbert Elias mit dem Begriff der „Figuration“ umrissen. Verhalten, Aussehen, die Selbstrepräsentation in sozialen Medien, berufliche Karrieren, der Freundeskreis, Liebesbeziehungen und ganze Lebensentwürfe werden heute als gestaltbar begriffen. Die Gestaltbarkeit des Individuums ist hierbei janusköpfig: Sie kann als Erweiterung des emanzipativen Freiheitsversprechens verstanden werden, sofern die Gestaltung vom Individuum selbst ausgeht. Sie kann aber ebenso einen Verlust an Eigensinn bedeuten, wenn externe Faktoren das Selbstdesign vorstrukturieren und prägen.

In diesem Sinne ist auch das Verhältnis von Konsumgesellschaft und Selbstdesign doppeldeutig. Zum einen zielen heutige Konsumangebote auf Individualisierung durch Konsum und instrumentalisieren diese. Zum anderen sind es gerade Formen des radikalen Selbstdesigns, die auf einen Ausbruch aus der Konsumlogik zielen. In beiden Fällen der Selbstgestaltung ist die Persönlichkeit – ob körperlich oder mental – nicht mehr etwas Gegebenes, sondern Gemachtes. Die Ausdifferenzierung der Gesellschaft führt hierbei nicht nur zur Individualisierung, sondern auch zur Formierung neuer Gemeinschaften, die auf die Gesellschaft zurückwirken.

 

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