ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 64-65

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Moralischer Konsum

Von Priddat, Birger P.

„Ich kaufe keine billigen T-Shirts, weil ich die Ausbeutung von unterbezahlten Frauen in Bangladesch nicht unterstützen möchte.“ Aussagen wie diese sind Aussagen über „moralischen Konsum“; es gibt dafür zahlreiche Beispiele: „Ich kaufe keine Orangen von israelischen Siedler-Kibbuzim, die auf palästinensischem Boden unrechtmäßig angebaut werden“ oder „ich kaufe keine Teppiche, wenn sie durch Kinderarbeit hergestellt wurden“. Die Erörterungen hatten 1995 mit dem „Brent Spar“-Fall begonnen: „Ich tanke nicht bei Shell, wenn der Shell-Konzern durch Versenken einer Bohrplattform im Atlantik das Meer verschmutzt.“ Es gibt auch positive Beispiele: „Ich kaufe ‚fairen‘ Kaffee, weil die Kleinbauern daran mehr verdienen und nicht durch Großhändler um ihren Gewinn betrogen werden.“

Moralischer Konsum heißt: Man verzichtet auf gewohnte Produkte oder Dienstleistungen, weil man nicht „mitschuldig“ werden will an den menschenrechtsverletzenden, unökologischen oder sonst wie als unmoralischen empfundenen Handlungen der jeweiligen Hersteller und Anbieter. Man opfert also seine Kaufneigungen. Die Gründe sind moralisch und/oder politisch. Die jeweiligen Produzenten stellen somit nicht nur Produkte her, sondern „produzieren“ auch problematische Arbeitsbedingungen, ökologische Desaster und anderes, das man nicht „mitkaufen“ will. Eine solche Betrachtung ist neu, weil man nicht mehr einfach das Produkt kauft, sondern die Herstellungsbedingungen in die Kaufentscheidung mit einbezieht. ...

 

 

 

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