ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 58-59

ARCH+ 222

Intro: Gestalten der Aufmerksamkeit

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Die Gestaltung von Gesellschaft beginnt nicht erst mit Alltagssituationen. Sie beginnt mit der Frage, wie Aufmerksamkeit fokussiert und das Denken und gesellschaftliche Auseinandersetzungen konfiguriert werden. Wesentlich hierfür ist das jeweilige Weltbild als Deutungsrahmen, der Wahrnehmung und Denken prägt. Während die Wirksamkeit klassischer Avantgarden von jeher weit mehr in der Neukonfiguration von Denkmodellen und Aufmerksamkeiten als in Veränderungen des Alltags lag, hat erst die Kritische Theorie sowie die Erforschung zwischenmenschlicher Kommunikation und Interaktion nach 1945 dies bewusst reflektiert und zum Thema gemacht.

Die Gestaltung der Aufmerksamkeit ist dabei nicht nur eine Frage von mentalen Strukturen der Deutungsmuster und Narrative, sondern ebenso eine Frage der Aisthesis, eine Frage von dem, was sinnlich wahrnehmbar und erfahrbar ist. Zur Veränderung gesellschaftlicher Verhältnisse finden zwei Strategien Anwendung: Kritik adressiert verborgene Missstände, die sie sichtbar macht und in das Blickfeld der Aufmerksamkeit rückt. Probleme werden hierbei nicht gelöst, sondern artikuliert und repräsentiert. Wunschproduktionen hingegen formulieren Möglichkeiten jenseits des Üblichen. Hiermit werden der Horizont des Vorstellbaren geöffnet und Ideen und Wünsche zum Ausdruck gebracht, die gesellschaftlich unterrepräsentiert sind, weil sie etwa von Akteuren stammen, deren Stimme sonst wenig Gehör findet.

 

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