ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 128-133

ARCH+ 222

Wohnungskooperative, Socgorod und Neues Bauen in der Sowjetunion 1925-1932

Von Flierl, Thomas

Der Blick auf die sowjetische Avantgarde-Architektur der 1920er- und frühen 1930er-Jahre ist noch immer kunsthistorisch verengt. Lange hielt sich das Vorurteil, es handelte sich vor allem um Papierarchitekturen, um Arbeiten an Hochschulen, für Zeitschriften und Ausstellungen. Bislang kaum untersucht sind die institutionellen Konstellationen und politischen Bündnisse, welche den Konstruktivisten ab Mitte der 1920er-Jahre die Realisierung zahlreicher Bauvorhaben ermöglichten. Die Basis des Neuen Bauens war auch in der Sowjetunion – wie im Westen – die Genossenschaftsbewegung im Wohnungsbau, die zunächst breite staatliche Unterstützung erfuhr. Exemplarisch steht hierfür das legendäre Moskauer Kollektivwohnhaus „Narkomfin“ (1928– 30) von Moisej Ginzburg und Ignatij Milinis (OSA). Später kam der Bau neuer Städte im Rahmen der Industrialisierung hinzu.

Der Hauptakteur Stalins bei der architektur- und städtebaupolitischen Wende seit 1931/1932, Lazar M. Kaganovi , wusste dies sehr genau, als er 1934 dem Parteiaktiv des 1932 gebildeten Architektenverbandes gegenüber begründete, warum die Konstruktivisten zwar politisch und ästhetisch zu kritisieren seien, „aber in Maßen“: „Die Konstruktivisten haben viel gebaut, Millionen von Menschen wohnen in von ihnen projektierten Häusern. Millionen warten auf Häuser. Das elementar-auskömmliche Haus ist notwendig.“ ...

 

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