ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 26-27

ARCH+ 222

Synopse: Verwissenschaftlichung und Technisierung

Von Oswalt, Philipp /  Minten-Jung, Nicole

Mit der Entfaltung von Wissenschaft und Technik seit Beginn der Neuzeit formulierte sich ein Emanzipationsversprechen. Sie sollen Individuen und Gesellschaft von bestehenden Ein­schränkungen und Abhängigkeiten befreien und neue Mög­ lichkeiten eröffnen. Im Bereiche der Architektur und Stadt­planung tritt an die Stelle des Baukünstlers der planende Experte, der mit seinem Fachwissen das zu Gestaltende nach neuesten Möglichkeiten von Wissenschaft und Technik opti­miert. Durch Erhöhung der Effizienz sollen gute Lebensbedin­ gungen für alle ermöglicht werden. Versachlichung und Ver­wissenschaftlichung der Alltags­ und Stadtgestaltung werden im Kapitalismus und im Sozialismus gleichermaßen und weitge­ hend unabhängig von politischen und wirtschaftlichen Syste­ men verfolgt.

Während in der Ära des Fordismus allgemeingültige Stan­ dards und Typen propagiert wurden, erlaubt heute Mass Customization die Individualisierung der Produkte. Die Kom­munikations-­ und Informationstechniken des digitalen Zeitalters haben die Mechanisierung und Industrialisierung als Treiber von lebensweltlichen und gesellschaftlichen Veränderungen abgelöst, wobei sie als ausgesprochen ambivalent erfahren werden. Die Krise des Funktionalismus in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts brachte die Verwissenschaftlichung von Gestaltungsprozessen in Misskredit, die heute in der Suche nach ökologischer Effizienz ein Revival erlebt: Mit Verfahren wie Lebenszyklusanalysen, Umweltverträglichkeitsprüfungen oder Stoff-­ und Energiebilanzen werden funktionale Faktoren in Gestaltungsprozesse integriert, die die kapitalistische Pro­ duktion bisher weitgehend systematisch ausklammerte. ... 

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