ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 22-23

ARCH+ 222

Synopse: Genossenschaftsbewegung

Von Oswalt, Philipp /  Minten-Jung, Nicole

Infolge zunehmend negativer Auswirkungen der industriellen und kapitalistischen Wirtschaftsweise auf Lebens­ und Arbeitsum­ stände schließen sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Angehörigen zahlreicher Berufs­ und Interessengruppen zusammen. Arbeiter, Bauern, Handwerker und Einzelhändler, Wohnungssuchende, Konsumenten und andere bündeln ihre Interessen und Ressourcen und organisieren sich in solidarisch und basisdemokratisch geführten Genossenschaften. Diese dem Gemeinwohl verpflichteten und von sozialistischen Ideen geprägten Betriebe verfolgen nicht mehr das Profitinteresse von Einzelnen, sondern suchen durch die gemeinwirtschaftli­ che Organisation von Arbeit, Kreditvergabe, Wohnungswesen, Konsum und vielem mehr gute Lebensbedingungen für alle zu ermöglichen.

Wohnungsgenossenschaften leiten zu jener Zeit die Wohn­ und Städtebaureform ein und realisieren erste Reformbauten. Zum regen Gemeinschaftsleben in den Anlagen gehören ebenso umfassende kulturelle Aktivitäten wie Bildungsange­ bote. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stehen die Genossenschaften mit ihrer sozialen Motivation und ihren konzeptionellen Grundsätzen Pate für kommunale Wohnungs­ unternehmen und gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften, die den sozialen Wohnungsbau des Neuen Bauens im großen Maßstab realisieren. Gemeinwirtschaftliche Bauhütten und Konsumgenossenschaften sind wichtige Akteure, die ganzheit­ liche Vorstellungen von einem solidarischen Leben realisieren. Heute setzen neue Genossenschaften und andere Organi­sationsformen die Grundidee des gemeinschaftlichen Wirt­ schaftens zur selbstbestimmen Organisation von zentralen Bereichen des Alltagslebens (Wohnen, Konsumieren, Arbeiten) fort. Ideen von gemeinschaftlichem Eigentum und Koproduktion spielen dabei nach wie vor eine wesentliche Rolle. ...

 

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