ARCH+ 222


Erschienen in ARCH+ 222,
Seite(n) 12-15

ARCH+ 222

Monte Verità

Von Fahrenkamp, Emil /  Oswalt, Philipp

Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zog es viele Intellektuelle, Freigeister und Außenseiter wie den russischen Anarchisten Michail Bakunin und den Schweizer Theosophen Alfredo Pioda in die Tessiner Region um den Lago Maggiore. Im Herbst 1900 begründeten hier der Fabrikantensohn Henri Oedenkoven, die Pianistin Ida Hofmann, der Künstler Gustav Gräser und die Lehrerin Lotte Hattemer eine Vegetarierkolonie, für die sie einen Hügel nördlich des Sees kauften und diesen in Monte Verità umbenannten.

Durch die Gründung eines Sanatoriums sollte das Siedlungsprojekt finanziert und bekannt gemacht werden. Die Gemeinschaft der Gründer bestand zwar nur ein Jahr, doch sie wurde von den sich am Ort niederlassenden Anhängern und Gesinnungsverwandten weitergeführt. Es gab keine Leitung, keine Organisation und keine Verfassung. Individualisten aus ganz Europa bauten, erwarben und mieteten Häuser. Die Fluktuation war ebenso hoch wie die Zahl der illustren Gäste und Besucher. Ohne festen Plan oder Programm war Monte Verità ein gesellschaftskritisches und sozialutopisches Experiment, bei dem Ideen des Anarchismus, Liberalismus, Sozialismus, Pazifismus und der Spiritualität im Alltag praktiziert und kulturell produktiv gemacht wurden. ...

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