ARCH+ 220


Erschienen in ARCH+ 220,
Seite(n) 222-239

ARCH+ 220

ARCH+ features 40: Das Generische als gemeinsame Sprache

Von 51N4E /  Persyn, Freek /  Ngo, Anh-Linh

Anh-Linh Ngo: Die flämische Szene zeichnet sich nach meinem Eindruck dadurch aus, dass sie einen viel stärker künstlerischen Zugang zur Architektur hat als zum Beispiel die Architekten in Deutschland. Bei uns betont man immer mehr die technisch-professionelle Seite des Berufs. Ist diese künstlerische Ausrichtung wirklich typisch flämisch?

Freek Persyn: Ja, allerdings mit der Einschränkung, dass es bei diesem künstlerischen Ansatz letztendlich um Lebensgestaltung geht. Es geht immer um den Zusammenhang zum wirklichen Leben und um die Frage, wie wir leben wollen. In unserer Arbeit dreht sich daher Vieles um die Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten und nicht um die Entscheidung für eine 'logische' Lösung. Die Idee, dass wir es mit Wahlmöglichkeiten zu tun haben, ist sehr wichtig. Das macht unsere Arbeit natürlich subjektiv.

Die Herausforderung besteht darin, diese Subjektivität offenzulegen und so anderen zugänglich zu machen. Das ist etwas, das unbedingt zu unserer Arbeit gehört: das Künstlerische nicht nur als individuellen, zufälligen Ausdruck zu verstehen, sondern mehr als eine bewusst getroffene und als solche erkennbare Entscheidung, die man mit anderen teilt. Ein Beispiel dafür ist die Arbeit von De Vylder Vinck Taillieu, einem Büro aus Gent, die sehr stark auf dem Generischen als gemeinsamer Sprache basiert. Es geht nicht darum, immer wieder nach etwas Neuem um des Neuen willen zu suchen, sondern nach Dingen, die die Menschen wiedererkennen, mit denen sie vertraut sind. Auch OFFICE bewegt sich eigentlich auf demselben Feld, wobei sie eine Sprache benutzen, die universeller und auf einer anderen Weise generisch ist, die aber auch einen hohen Wiedererkennungswert besitzt. …

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