ARCH+ 211/212


Erschienen in ARCH+ 211/212,
Seite(n) 26-29

ARCH+ 211/212

Kultur zählt. Plädoyer für eine Architektur der Einmischung

Von Krasny, Elke

Architektur ist Handlung – eine Handlung, die sich im Maßstab des Gebauten vollzieht. Durch ihre Bauten setzt eine Kultur sichtbar bleibende Zeichen. Das koloniale Projekt des Imperialismus im 19. Jahrhundert wusste beispielsweise genau um diesen Zusammenhang. Die Macht des Fortschritts sollte zum Ausdruck gebracht werden. Daher wurde demonstrativ gebaut: Regierungsgebäude, Fabriken, Bahnhöfe, Schulen, Wohnbauten, Gefängnisse. Die Bauten sollten nicht zuletzt die Durchsetzungsfähigkeit des kolonialen Projekts bezeugen. Heute, im Zeitalter des globalisierten Neoliberalismus und Neokolonialismus, sind bauliche Machtdemonstrationen erneut üblich geworden. Das architektonische Äquivalent zum globalen Neoliberalismus ist die spektakuläre Zeichenhaftigkeit und ubiquitäre Verbreitung der so genannten Starchitecture. Der Neokolonialismus hingegen manifestiert sich in der Kombination von Land Grabbing, Plantagenlogik, Ausbeutung der Ressourcen und Investitionen in eine Infrastruktur, die dies ermöglicht. Angesichts dieser Entwicklung möchte ich für eine „Architektur der Einmischung“ plädieren, die global denkt und die soziale Agenda der Architektur dabei nicht aus den Augen verliert. Eine solche Architekturpraxis besitzt drei Merkmale: nicht synthetisierende Hybridität, „nähere Begegnung“ mit dem Anderen und Widerständigkeit. ... 

 

Architecture is an act—an act that takes place on the scale of the built environment. With its structures, a culture leaves lasting, visible signs. The colonial project of imperialism in the nineteenth century, for example, was well aware of this connection and used architecture to give expression to the power of progress. As such, building was demonstrative: government buildings, factories, railway stations, schools, residences, and prisons. A primary task of the buildings was to attest to the power of the colonial project. Today, in the age of globalized neoliberalism and neocolonialism, architectural demonstrations of power have become common once again. The architectural equivalent to global neoliberalism is the spectacular symbolism and ubiquitous spread of socalled “starchitecture.” Neocolonialism, in contrast, manifests itself in a combination of land grabbing, plantation logic, resource exploitation, and investment in the new infrastructure that makes these processes possible. In light of these developments, I would like to argue for an architecture of intervention, one which thinks globally, and which holds architecture’s social agenda in its sight. An architectural practice of this kind possesses three characteristics: nonsynthesizing hybridity, “close encounters” with the Other, and resistance. ...

 

SSS Siedle Dornbracht Euroboden
Feedback erwünscht!