ARCH+ 211/212

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Erschienen in ARCH+ 211/212,
Seite(n) 4-10

ARCH+ 211/212

Einleitung / Introduction – Think Global, Build Social!

Von Lepik, Andres

Deutsch: 

Seit jeher hat die Architektur für sich in Anspruch genommen, mit ihren gebauten Werken die Gesellschaft positiv zu formen oder sie sogar über ideale Stadtentwürfe zu einem verbesserten sozialen Zusammenhalt führen zu können. Der Beweis dafür, dass sie diesen Anspruch in der Realität auch wirklich einlösen kann, ist schwer zu führen, weil zu viele Faktoren Einfluss auf gesellschaftliche Prozesse haben, die außerhalb der Architektur liegen. Es gibt zudem auch keine realisierten Idealstädte, in denen sich das Leben vollkommen unberührt hätte entwickeln können. Das umgekehrte Argument, dass Architektur der Auslöser für negative soziale Entwicklungen sein kann, scheint dagegen sehr viel eher beweisbar zu sein. Hier ist an die Debatten zu erinnern, die im 20. Jahrhundert zum Abriss von Großwohnsiedlungen, z. B. zur Sprengung der Siedlung Pruitt-Igoe in St. Louis im Jahre 1972 geführt haben. Diese Siedlung hatte ein innerstädtisches Gebiet, das als heruntergekommen galt, nach dessen Abriss mit neu errichtetem sozialem Wohnungsbau aufbessern sollen. Aber schon rund zehn Jahre nach seiner Fertigstellung war dieser Komplex selbst zu einem sozialen Brennpunkt geworden, so dass man sich wiederum für den totalen Abriss entschied. Das Scheitern dieses Projekts (und manch anderer wie etwa später in den Banlieues von Paris) wurde in der öffentlichen Wahrnehmung ursächlich mit der Architektur und ihren Konzepten verknüpft. In Wirklichkeit waren es aber übergreifende strukturelle Probleme in der Stadt, die Auslöser für den sozialen Niedergang wurden. Dass Großsiedlungen als solche nicht automatisch negative Wirkungen auf die soziale Dynamik der Menschen haben müssen, die in ihnen leben, zeigt die Vielzahl positiver Beispiele.

1. WELCHE RELEVANZ HAT ARCHITEKTUR FÜR DIE GLOBALE GESELLSCHAFT VON HEUTE?

Die grundlegende Frage, ob und welchen konkreten Einfluss gebaute Architektur auf die Entwicklung einer Gesellschaft im größeren Rahmen einer Stadt oder vielleicht auch nur eines einzelnen Bezirks ausübt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Doch es ist eindeutig, dass Architektur immer wieder als Katalysator für soziale Prozesse dient, zumindest im kleinen Rahmen lokaler Gemeinschaften. Als eine gestaltende Disziplin, deren Resultate in der Regel über längere Zeiträume auf Gruppen von Menschen wirksam werden, lässt sich die Architektur daher in jedem Fall nicht aus der Verantwortung entlassen. Dieser Verantwortung haben sich Architekten auch immer wieder aktiv gestellt – im 20. Jahrhundert schon seit der frühen Moderne: Die „Wohnung für das Existenzminimum“, der sich der zweite CIAM-Kongress von 1929 in Frankfurt widmete, galt der zentralen Frage, wie die Architektur neue und humane Lösungen für die allgemeine Wohnungsnot entwickeln konnte. Und die Ausstellung Sonne, Luft und Haus für Alle 1932 in Berlin unter Leitung von Martin Wagner mobilisierte die deutsche Architekturelite der damaligen Zeit für die Idee des „wachsenden Hauses“, das dazu gedacht war, niedrigen Einkommensschichten zu gut gestalteten Wohnungen zu verhelfen, die sie mit wachsendem Verdienst in der Zukunft dann auch noch entsprechend ausbauen konnten. Unterstützt wurden die Architekten dabei von Baufirmen, die in der Produktion von „low-cost-housing“ ein Geschäftsmodell erkannten. Sozialer Anspruch und ökonomische Interessen wurden nicht als Widerspruch gesehen. 

Eines der fundamentalen Ziele der architektonischen Moderne war nicht nur die Hilfe für Einzelne, sondern auch das einer besseren Gesellschaft im Ganzen: Architecture ou révolution formulierte es Le Corbusier in polemischer Zuspitzung und natürlich musste die einzig mögliche Antwort darauf „Architecture“ lauten. Er schob damit natürlich der Architektur auch eine Verantwortung zu, der sie in dieser umfassenden Form gar nicht gerecht werden konnte. Die aktive Hinwendung von Architekten zu den Lebensumständen jener Bevölkerungsschichten, die mangels eigener finanzieller Mittel gar nicht selbst als Auftraggeber in Frage kamen, hatte in den 1920er Jahren natürlich auch damit zu tun, dass der Staat selbst unterschiedliche Förderprogramme auf den Weg brachte, um der akuten Wohnungsnot entgegenzuwirken. Es waren Stadtbauräte wie Ernst May in Frankfurt oder Martin Wagner in Berlin, die mit ihren Siedlungsprojekten konkrete Ergebnisse im großen Maßstab schaffen konnten. Das generelle Selbstverständnis der eigenen beruflichen Verantwortlichkeit für die Gesamtgesellschaft war unter den Architekten dieser Zeit grundsätzlich breit vorhanden. So umschrieb Hannes Meyer 1929 als Direktor des Bauhauses die Rolle des Architekten: „als gestalter sind wir diener dieser volksgemeinschaft. unser tun ist dienst am volke.“

Dieser „Dienst am Volke“ gehörte schon wegen der persönlichen Nähe und Sympathie vieler Architekten des „Neuen Bauens“ zu den politischen Ideen des Sozialismus nicht zu den Kernbotschaften als die architektonische Moderne Europas in den Vereinigten Staaten zur Marke des „International Style“ umgeprägt wurde. Die gesellschaftspolitischen Inhalte, für die viele Bauten und Architekten standen, wurden jenseits des Atlantiks abgeschwächt oder gar vollständig unterdrückt. Dennoch enthielt auch die epochale Ausstellung Modern Architecture. International Exhibition von 1932 im Museum of Modern Art noch einen ganzen Raum mit dem Thema „Housing“, in dem konkret der Wohnungsbau für niedrige Einkommen angesprochen war. Die Fragen nach den Verbesserungsmöglichkeiten für so genannte „Slums“ und „Super-Slums“ in den USA durch architektonische, aber zugleich auch die notwendigen politischen Maßnahmen wurden darin offen angesprochen.  

Die verschiedenen Ansätze in der Architektur des frühen 20. Jahrhunderts, die ein aktives Bekenntnis zu gesellschaftlicher Verantwortung einforderten, haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in der Breite durchgesetzt. Aber der Anspruch darauf kehrte immer wieder und wurde auch zu einer der Bruchstellen zwischen den Mitgliedern des CIAM und den jüngeren Mitgliedern des Team X, als diese die Frage nach der Verbindung von Ethik und Ästhetik ab 1953 wieder auf die Tagesordnung setzten. Eine der Präsentationen der CIAM-Gruppe aus Algier zu der Situation der Slums in Algier, die auf eine lokal angepasste Planung ausgerichtet war, wurde folgendermaßen betitelt: „Éthique Esthétique / Ethics and Aesthetics“. Auch in der Folge haben einzelne Architekten wie Ralph Erskine, Aldo van Eyck, Giancarlo De Carlo und andere versucht, die Frage der gesellschaftlichen Verantwortung von Architektur in ihren theoretischen Schriften und ihrem praktischen Werk präsent zu halten. Doch solche Vorstöße blieben individuelle Randerscheinungen in der Disziplin. Und in der Postmoderne nähert sich Architektur in der Selbstverortung ohnehin immer mehr der Kunst an, als noch in irgendeiner Form „Diener der Volksgemeinschaft“ sein zu wollen.

Der schleichende Rückzug der Architekten aus der aktiven Stellungnahme zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen spiegelt sich auch in ihrem Umgang mit der Entwicklung technologischer Innovation. Das industrialisierte Bauen und die Idee der Präfabrikation waren in der Architektur der frühen Moderne noch als ein Versprechen für die Zukunft entwickelt worden, um über diesen Weg auch die Wohnverhältnisse der unteren Einkommensschichten aufzuwerten. Für das gleiche Versprechen wurde die Vorfertigung dann nochmals im sozialistischen Wohnungsbauprogramm der Plattenbauten eingespannt. Das industrialisierte Bauen ist im Verlauf des 20 Jahrhunderts jedoch die „cash-cow“ von Immobilientrusts geworden, die nicht die Verbesserung von Lebensbedingungen der sozial Schwachen zum Ziel haben, sondern die Erhöhung der Gewinnmargen ihrer Shareholder. Die globale Wirtschaftskrise von 2008 hat gezeigt, dass die Spekulation mit dem industriell vorproduzierten Wohnungsmarkt am Ende vor allem nachteilig für die Mitglieder der unteren Einkommensschichten verlaufen ist: Sie haben durch die Krise in den USA noch weiter an Entwicklungschancen verloren. Eine Technologie, die also unter dem Gesichtspunkt sozialer Verbesserung entwickelt worden war, ist am Ende, über den Umweg der Spekulation und der Vereinnahmung durch die Finanzmärkte, zu einem Faktor geworden, der die sozial Schwachen noch zusätzlich belastet. Die ungeahnten Möglichkeiten aber, die architektonische Planung und Produktion durch den Computer mittels CAD-Systemen ermöglicht haben, und damit sicher auch große Potenziale für den Markt des Bauens für die unteren Einkommensschichten haben, führten bislang nur zu den formalen Experimenten der Blob-Architektur und dem selbst ernannten Stil des „Parametrismus“, der sich aber jeder Bezugnahme auf gesellschaftliche Fragen enthält. Während also der technologische Fortschritt im Bereich der Unterhaltungs- und Kommunikationsmedien durch den Einzug von Handys und digitalem Fernsehen inzwischen in fast jede informelle Siedlung Einzug hält, hat die Architektur hier bislang keine vergleichbaren Produkte und Systeme entwickelt. 

Am Anfang des 21. Jahrhunderts prägt der kommerziell orientierte und global vernetzte Markt des Bauens das Gesicht der Mega-Cities wie São Paulo, Lagos, Mumbai oder die zahllosen rasant wachsenden Städte in China. Architektur als eine sorgsam planende Disziplin mit kulturellem Anspruch, die also zugleich auf lokale und soziale Kontexte eingeht, verliert damit in der Bedeutung und öffentlichen Wertschätzung immer mehr an Boden. Und durch die anhaltend unkontrollierte Ausbreitung der informellen Siedlungen, d.h. also die Slums und Favelas in Lateinamerika, Afrika, Indien und in anderen Ländern, verliert die „formelle“ Architektur weiter an Relevanz, weil ihre Möglichkeiten von einer überwältigenden Mehrheit der globalen Bevölkerung einfach nicht mehr wahrgenommen werden. Architektur schafft hier keine Angebote und hat hier keinen Markt. Es gab und gibt natürlich immer wieder einzelne Architekten, die diesen Bedeutungsverlust der eigenen Profession wahrgenommen, analysiert und versucht haben, gegen den Strom der rein ökonomischen oder auch politischen Kräfte zu schwimmen und eigene gestalterische Lösungsansätze zu entwickeln. Aber die Beschäftigung mit diesen Themen hat nicht zu einer durchgreifenden Entwicklung in der Ausbildung oder der Praxis der Architektur geführt. 

2. WO LIEGT DER „COMMON GROUND“?

Internationale Ausstellungen wie die Biennale di Architettura in Venedig sind noch immer ein wichtiger Umschlagplatz für die Ideen, die zeitgenössische Architektur antreiben und öffentlich bewegen. Blickt man auf die letzten beiden Biennalen in Venedig, offenbarte schon die von Kazuyo Sejima kuratierte Ausstellung von 2010 unter dem Titel People Meet in Architecture die totale Hilflosigkeit, die Architektur als relevante Einflussgröße gegenüber den drängenden Themen der globalen Gesellschaft wie etwa das exponentielle Wachstum der informellen Siedlungen klar zu positionieren. Architektur wurde hier als eine Praxis definiert, die räumlich-ästhetische Aufgaben für jenen marginalen Teil der globalen Bevölkerung umsetzt, der über die politische und ökonomische Macht verfügt. Das gängige Bild von der Rolle des Architekten als elitärer Top-Down-Planer blieb in der Auswahl unangetastet. Nur die Auszeichnung für den Pavillon des Königreichs Bahrain mit dem Goldenen Löwen ließ aufmerken, weil die unabhängige Jury hier ein klares Zeichen für eine andere Haltung in der Architektur gesetzt hat, die sonst eben in der Ausstellung nicht zu finden war. Die in dem prämierten Pavillon angesprochene Problematik der lokalen Fischerhütten des Inselstaates, die durch die international standardisierte Investorenarchitektur abgedrängt werden, womit soziale Netzwerke in der Region zerstört werden, warf ein bezeichnendes Licht auf den Rest der Ausstellung. 

Und auch bei der jüngst vergangenen Architekturbiennale von 2012, die sich unter Leitung von David Chipperfield auf die Suche nach dem „Common Ground“ der Architektur gemacht hatte, erhielten die Auszeichnung durch den Goldenen Löwen wiederum zwei Beiträge, die sich den gesellschaftlich relevanten Fragen zuwandten. Für den besten Pavillon ging er nach Japan, wo Toyo Ito angesichts der dortigen Tsunamikatastrophe die Grundlagen der eigenen Profession in Frage stellte: Architecture. Possible here? Home-for-All. Und als bester Beitrag wurde die Installation Gran Horizonte von Urban-Think Tank über den Torre David ausgezeichnet. In dem temporär eingerichteten Restaurant wurde mit Photos, Filmen und Diagrammen präsentiert, wie ein leer stehendes Hochhaus in Caracas, das für eine Bank gebaut, aber nicht fertig gestellt wurde, durch eine organisierte Hausbesetzung seit einigen Jahren zu großen Teilen zu einem Wohnhochhaus umfunktioniert wurde. Die Präsentation des in Caracas und Zürich angesiedelten Büros Urban-Think Tank, die auf einer komplexen Recherche der sozialen Phänomene in Caracas basierte, führte zu einer heftigen Auseinandersetzung mit den offiziellen Stellen des Landes, weil sie den Beitrag als Kritik an den Missständen der offiziellen sozialistischen Wohnungspolitik verstanden. Dabei ist diese von zwei Architekten und ihrem Team in Zürich durchgeführte Recherche über eine selbst organisiertes Wohnexperiment mit etwa 3.000 Teilnehmern ein klares Signal dafür, wie sich Architektur als Disziplin angesichts der dramatischen Entwicklungen im Bereich des informellen Bauens neu positionieren kann.12 Mit dieser Analyse werden keine fertigen Lösungen und hehre Versprechen einer besseren Zukunft geliefert, sondern die Architekten nähern sich mit komplexen Fragen der Basis jener gesellschaftlichen Realität, von der sich die Disziplin weitgehend abgekoppelt hat. Weil mit einem solchen Vorgehen die öffentlich gefestigten Rollenmuster der Architektur als treuer Komplizin der Politik in Frage gestellt werden, wurde auch Kritik von offiziellen Stellen geäußert, weil Architektur damit wieder unbequem wird.

3. SMALL SCALE = BIG CHANGE?

Urban-Think Tank gehörte im Jahre 2010 zu den elf Architekturbüros, die in der Ausstellung des Museum of Modern Art Small Scale, Big Change. New Architectures of Social Engagement mit gebauten oder geplanten Projekten vertreten waren. Diese unternahm den Versuch, wichtige Tendenzen und Positionen in der zeitgenössischen Architektur zusammenzufassen, die sich durch eine aktive Hinwendung zur sozialen Dimension des Bauens auszeichnen. Vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise in den USA erhielt die Ausstellung des MoMA zusätzliche Prägnanz. Auch in der Tagespresse wurde in dieser Zeit offensichtlich, dass die Rolle der „Starchitekten“ und damit auch die Architektur als Ganzes mit in die Krise geraten waren. Die Position des Museums ist hier von besonderer Bedeutung, weil es ja das MoMA war, das ursprünglich einmal den „International Style“ auf den Weg gebracht und damit seine eigene Autorität im Architekturbereich öffentlich markiert hatte. Aber schon einmal, im Jahre 1964, hatte der Kurator Bernhard Rudowsky mit der Ausstellung Architecture without Architects im MoMA einen Anlauf unternommen, einen Blick auf die anderen, d. h. nicht-modernen Traditionen des vernakulären Bauens zu richten und damit an der Alleingültigkeit des International Style zu rütteln. Seine Ausstellung zeigte die Schönheit, aber auch die ökologische und soziale Vorbildhaftigkeit einer Architektur, die aus lokalen Materialien und Traditionen erwuchs und war als Gegenposition zu einer in dieser Zeit immer weiter in Formalismen erstarrten Moderne lesbar. Damit wurden die Stars der damaligen Architektur indirekt in Frage gestellt. Die Ausstellung blieb aber ohne konkrete Hinweise auf die Möglichkeiten, wie diese vernakulären Ansätze in der eigenen Gegenwart und speziell im amerikanischen Kontext umgesetzt werden könnten. Mit Small Scale, Big Change konnte das Museum 36 Jahre später seine eigene Position gegenüber der Architektur neu formulieren. Die Autorität und Beliebtheit des Museums in Fragen der Architektur wurde nun dazu genutzt, nicht einen neuen elitären Stil zu dekretieren, sondern der Gesellschaft Fragen nach der Reichweite von Architektur an konkreten aktuellen Beispielen vorzuführen. Die Ausstellung selbst bildete eine Plattform, um die getrennt agierenden Positionen zu einem öffentlichen Dialog und zu einer verstärkten Wahrnehmung anzuregen.

4. ENGAGIERT UND UNPOLITISCH?

Mit Small Scale, Big Change wurden unterschiedliche Ansätze einer Architektur präsentiert, die zwar an vergleichbaren ethischen Werten und Zielen ausgerichtet sind, jedoch weder individuell noch gemeinsam einer bestimmten politischen Richtung zuzuordnen sind. Dies trifft auch auf die zahlreichen vergleichbaren Beispiele zu, die inzwischen innerhalb anderer Ausstellungen und Publikationen veröffentlicht wurden. Ihre Zielrichtung ist – anders als in der frühen Moderne – nicht die Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen der Gesellschaft eines Landes, sondern die konkrete Veränderung von räumlich definierten Situationen durch architektonische Mittel und Planung – ungeachtet politischer Rahmenbedingungen. Damit erweisen sich diese neuen Ansätze im Vergleich zu ihren historischen Vorbildern als eher pragmatisch denn programmatisch. Dass diese Maßnahmen dann aber auch politisch instrumentalisiert werden können, zeigt das Beispiel des Metro Cable in Caracas, wo die von Urban-Think Tank vorgeschlagene Seilbahn durch die Landesregierung als Propaganda eingesetzt wurde, um in den Favelas mehr Wählerstimmen zu gewinnen.

Auch wenn es also keinen gemeinsamen politischen oder ideologischen Hintergrund gibt, auf den sich die verschiedenen Beispiele sozial engagierter Architektur in der Gegenwart beziehen lassen, sind doch zumindest zwei Themenfelder erkennbar, die als eine gemeinsame Schnittmenge deutlich werden. Auf der einen Seite ist dies die klare Hinwendung zu den Fragen nach dem lokalen und sozialen Kontext – und auf der anderen Seite die Ausrichtung an globalen Fragestellungen. Ein zentrales Beispiel für die Frage nach dem lokalen Kontext ist etwa die Suche nach dem jeweils geeigneten Material und Konstruktionsmethoden. Hier spielen die Untersuchungen zur Tradition des Lehmbaus eine wichtige Rolle, der als jahrtausendealte Praxis im 20. Jahrhundert an Wertschätzung verloren hat, obwohl er gerade in schwach entwickelten Ländern viele ökologische und ökonomische Vorteile bietet. Die Arbeiten von Anna Heringer, Emilio Caravatti und Francis Kéré weisen hier die Richtung, weil sie in ihren Bauten nicht nur Lehmbau wieder neu beleben, neue handwerkliche Fähigkeiten ausbilden und mit partizipativen Prozessen verknüpfen, sondern durch hochwertige architektonische Gestaltung einen höheren ästhetischen Wert für die Verwendung dieses Materials anschaulich machen. Dass ihr Wissen zum Teil auf den Forschungen und praktischen Erfahrungen des Vorarlberger Lehmbauexperten Martin Rauch beruht, macht wiederum deutlich, dass lokale Traditionen in Entwicklungsländern gelegentlich erst wieder auf dem Umweg durch eine neue Wertschätzung und Aufmerksamkeit in den Industrieländern wiederaufleben können. Wenn solche regional verankerten Projekte von der renommierten Aga Khan Foundation mit Preisen ausgezeichnet werden, hilft das dabei, eine globale öffentliche Aufmerksamkeit zu erreichen. In den lokalen Gemeinschaften, in denen diese Projekte entstanden sind, wird damit die eigene Vorbildhaftigkeit wieder sichtbar gemacht und eine wirkliche Identifikation der lokalen Gesellschaft mit dem Bau erzielt. Der tiefere Erfolg solcher Projekte lässt sich daran ablesen, dass sie weitere Bauten vor Ort oder in der Nachbarschaft mit denselben Architekten nach sich ziehen. So war dies schon bei Francis Kéré, der in seinem Heimatdorf Gando in Burkina Faso inzwischen das sechste Folgeprojekt seiner ersten Schule errichtet. Ganz ähnliche Folgen sind auch bei den Projekten von MASS Design Group, Anna Heringer und vielen andern darstellbar. Hier geht es eben nicht um Hilfsleistungen im Einzelfall, sondern um ein nachhaltiges Engagement, das durch die Einbeziehung der lokalen Handwerker und der Bevölkerung vielschichtige Prozesse anregt. Auch die Design-Build Studios, die seit Jahren an vielen Hochschulen in den Industrieländern eingerichtet wurden, um mit Studenten praktische Lösungen zu entwickeln, schaffen die Grundlage zu einem Wandel auf mehreren Ebenen. Auch hier haben viele dieser Projekte zu konkreten Folgeprojekten und damit zur Ausbildung von tragfähigen Netzwerken vor Ort geführt oder sie sind, wie im Fall von Rural Studio in Alabama zu einer dauerhaften Einrichtung geworden, die Ausbildung und praktisches soziales Engagement in der Architektur nun schon seit rund 20 Jahren und bei über 150 gebauten Beispielen verknüpfen. Auch die Baupiloten an der TU Berlin unter Leitung von Susanne Hofmann konnten eine modellhafte und praxisbezogene Form von engagierter Ausbildung vermitteln.

5. HISTORISCHE WURZELN UND THEORETISCHE PERSPEKTIVEN

Während die zeitgenössischen Ansätze für eine sozial engagierte Architektur bereits seit einiger Zeit zunehmend öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, fehlt es bislang vollkommen an einer historischen Perspektive auf diese Entwicklung. Dies betrifft sowohl die Reflexion der Architekten über ihre Projekte und deren Grundlagen als auch die bisherigen Publikationen dazu. Es wäre aber dringend notwendig, die gegenwärtigen Tendenzen auf ihre geschichtlichen Wurzeln hin zu befragen, um damit sowohl die Kontinuitäten als auch die neuen Ausrichtungen offen zu legen. Das Fehlen einer übergreifenden Geschichte der Design-Build Studios wurde jüngst auf der weltweit ersten Konferenz an der TU Berlin im Dezember 2012 deutlich. Diese Geschichtslosigkeit wird aber auch an anderen Stellen offenbar. So sind beispielsweise die Ideen des „incremental housing“ eines Alejandro Aravena und der von ihm gegründeten Firma Elemental unmittelbare Weiterentwicklungen von weit zurückreichenden Ansätzen, wie sie schon in der 1932 in Berlin gezeigten Ausstellung Das wachsende Haus von Martin Wagner präsentiert wurden.20 Diese konzeptionellen Bezüge werden von Alejandro Aravena in seinen öffentlichen Reden und Publikationen nicht benannt. Auch die Verbindung der Lehmbauprojekte von Francis Kéré, Emilio Caravatti und Anna Heringer mit den theoretischen und praktischen Ansätzen von Hassan Fathy und anderen Experten in diesem Bereich steht bislang aus und wird von den Architekten selbst nicht geleistet. Dem Fehlen einer klaren Selbstverortung in einer historischen Perspektive entspricht bislang auch das Fehlen einer gemeinsamen theoretischen Basis. Es gibt also von den Architekten, die sich gegenwärtig einer sozial engagierten Architektur zuwenden, bislang keine gemeinsamen theoretischen Äußerungen, keine Manifeste oder Programme. Dies mag angesichts der unterschiedlichen und zum Teil sehr individuellen Vorgehensweisen logisch erscheinen, doch birgt es die Gefahr, dass sich die inzwischen global wahrgenommene Bewegung in ihren Einzelpositionen verliert und nicht jene Wirkung innerhalb der eigenen Disziplin oder in der Öffentlichkeit und der Politik entfaltet, die ihrer Bedeutung gerecht wird.

 

English: 

Architecture has always made the claim that it positively shapes society with its built works, or even that, through ideal city planning, it’s capable of leading society to an improved state of social cohesion. In reality, it’s difficult to prove that architecture is actually capable of redeeming this claim, as too many factors external to architecture exert an influence upon societal processes. Moreover, no ideal city has been realized in which life could develop entirely undisturbed. On the other hand, the counterargument—that architecture can catalyze negative social developments—seems to be eminently more demonstrable. One might recall the debates that led to the destruction of housing estates in the twentieth century, such as the demolition of the Pruitt-Igoe housing project in St. Louis in 1972. Broad swaths of a rundown neighborhood were leveled to make way for this new social housing complex, which was supposed to uplift its surroundings. Only some ten years after its completion, however, the complex itself had developed into such a flashpoint of social dysfunction that it, in turn, was demolished entirely. In public perception, the failure of this project (and many others, including the banlieues of Paris sometime later) was causally bound up with architecture and its concepts. In reality, however, the city’s widespread structural problems had catalyzed the social decline. A multitude of positive examples demonstrates that mass housing estates in themselves do not necessarily have negative effects on the social dynamic of people living in them.

1. WHAT RELEVANCE DOES ARCHITECTURE HAVE FOR TODAY'S GLOBAL SOCIETY?

The fundamental question—whether and to what extent built architecture concretely influences society’s development in the larger context of a city, or even within a single district—cannot, therefore, be answered generally. It is clear, however, that architecture has repeatedly served as a catalyst for social processes, at least in the limited context of local communities. As a constructive discipline with effects that typically operate on groups of people over longer periods of time, architecture by no means escapes responsibility. Indeed, architects themselves have always accepted this responsibility. In the twentieth century, this has been the case since early modernism: the second CIAM Congress of 1929 in Frankfurt was dedicated to the Wohnung für das Existenzminimum [Minimum Subsistence Dwelling], which posed the central question of how architecture could develop new and humane solutions to widespread housing shortages. And Martin Wagner’s 1932 exhibition Sonne, Luft und Haus für Alle [Sun, Air, and Housing for All] mobilized the German architectural elite of the time with the idea of the wachsendes Haus [growing house]—conceived to help lower income classes acquire welldesigned residences that they could expand upon in the future in accordance with income growth. Recognizing a business model in low-cost housing production, construction companies supported the architects in this endeavor. Social aspirations and economic interests were not seen as contradictory.

One of the fundamental goals of architectural modernism was not only to help individuals, but also to better society as a whole: Architecture ou révolution, as Le Corbusier put it with polemical emphasis—and of course, the only possible answer to this was “architecture.” But this formulation granted architecture a responsibility that, in this expansive form, it simply could not fulfill. Architects actively focused on the circumstances of that class of the population that, due to a lack of financial means, certainly couldn’t commission architects on its own. This attention, of course, was linked to the various support programs that the state itself initiated in the 1920s to counteract the acute housing shortage. Indeed, it was urban planning directors like Ernst May in Frankfurt or Martin Wagner in Berlin who were able to achieve largescale concrete results with their housing developments. The basic conception of the architect’s responsibility for the whole of society was common among those in the field at the time. Accordingly, then director of the Bauhaus Hannes Meyer described the role of the architect as such in 1929: “as designers, we are servants to the community. Our task is a service to the people.”

Because of the personal proximity to and sympathy for the political ideas of socialism that characterized many of the architects associated with Neues Bauen, this “service to the people” did not belong to the core message of the “International Style”—the reformulation of Europe’s architectural modernism in the United States. The socio-political principles that many buildings and architects stood for was attenuated on the other side of the Atlantic or suppressed entirely. Even so, the epochal exhibition Modern Architecture. International Exhibition at the Museum of Modern Art in 1932 featured an entire room dedicated to the theme of “housing” and concretely addressed low-income residential construction. There, the exhibition openly addressed the question of opportunities for improving the “slums” and “super-slums” in the USA through both architectural and the necessary political measures.

The various approaches in early twentieth-century architecture that claimed an active commitment to social responsibility were no longer widely pursued following the Second World War. But such aspirations resurfaced time and time again, and even became a point of serious contention between the members of CIAM and the younger members of Team X. The latter put the question of the link between ethics and aesthetics on the agenda once more after 1953. One such presentation, entitled “Éthique Esthétique / Ethics and Aesthetics,” which the CIAM group from Algiers gave on the situation in Algerian slums, was to serve as the basis for subsequent planning measures that would reflect the local situation. Subsequently, individual architects such as Ralph Erskine, Aldo van Eyck, Giancarlo De Carlo, and others also sought to keep the question of architecture’s social responsibility present in their theoretical writings and practical work. Such efforts, however, remained outliers in the discipline, and since the post-modern era, architecture has aligned itself ever more with art instead of seeking to function in some form as a “servant of the people.”

The insidious retreat of architects from an active commitment to sociopolitical issues is reflected in their response to the development of technological innovation as well. Industrialized construction and the concept of prefabrication were developed in architecture’s early modern period as a promise to the future—they were to be a means of improving the housing situation of the lower income classes. The socialist residential building program of the Plattenbauten [buildings made with precast concrete panels] harnessed prefabrication once again for the same goal. Over the course of the twentieth century, however, industrialized construction developed into the “cash cow” of real estate trusts, whose goal is to increase the profit margins of their shareholders, not to improve the living conditions of the socially vulnerable. The global economic crisis of 2008 demonstrated that market speculation on industrially prefabricated housing has harmed members of the lower income classes. In the USA in particular, the collapse of the housing market resulted in even less opportunities for development. Diverted through speculation and absorbed into the financial market, a technology that was originally developed for social improvement, has, in the end, become an additional burden on the socially disadvantaged. The unexpected opportunities, however, made possible by computer-based architectural planning and production (e.g. the CAD systems), and the great potential these representfor construction aimed at lower income classes, have thus far led only to the formal experimentation of blob architecture and the self-coined style of “Parametricism,” which refrains from any reference to societal issues. While technological advances in entertainment and communications media have entered into practically every informal housing settlement via cell phones and digital TVs, architecture has yet to develop comparable products or systems.

At the outset of the twenty-first century, the commercially oriented and globally networked construction market is shaping mega-cities such as São Paulo, Lagos, Mumbai, and the countless, rapidly growing cities of China. With the rise of such cities, architecture as a carefully planned discipline with cultural aspirations and concern for local and social contexts is steadily losing significance and standing in public opinion. And through the ongoing, unregulated expansion of informal housing settlements—the slums and favelas of Latin America, Africa, India, and other nations—“formal” architecture continues to lose relevance. Simply put, its possibilities are not recognized by an overwhelming majority of the global population. In these contexts, architecture offers nothing and has no market. Of course, there have always been and still are individual architects who have recognized and analyzed their own profession’s drop in significance, and who have attempted to swim against the tide of purely economic and political powers in order to develop their own creative solutions.9 But the work on this front has not led to any sweeping developments in the education or actual practice of architecture.

2. WHERE IS THE "COMMMON GROUND?"

International exhibitions like the Biennale di Architettura in Venice are still a significant forum for the ideas that drive and publicly stir contemporary architecture. If one looks at the last two Biennales, the 2010 exhibition curated by Kazuyo Sejima, People Meet in Architecture, reveals architecture’s total helplessness in staking a clear and relevant position in response to the pressing issues of global society like the exponential growth of informal housing settlements.10 Architecture is defined here as a practice that implements whatever spatio-aesthetic task is desired by that marginal portion of the global population with access to political and economic power. Among the exhibition’s selections, the established image of the architect’s role as an elite, top-down planner remained unquestioned. Only the decision to award the Golden Lion to the Kingdom of Bahrain’s pavilion stood out. There, the independent jury took a clear stance in promotion of a different attitude in architecture, one that was not to be found elsewhere in the exhibition. The award-winning pavilion addressed the problematic of the island nation’s local fishing huts, which are being pushed off their land by the internationally standard architecture of investors’ groups—a process that’s destroying the region’s social networks. The presentation set the rest of the exhibition in sharp relief.

Under the direction of David Chipperfield, the most recent Architecture Biennale in 2012 sought to find a “common ground.” Once again, the Golden Lion was awarded to submissions—two in this case—that addressed socially relevant questions. The distinction of best pavilion was awarded to Japan, where, in the face of the catastrophic tsunami, Toyo Ito put the fundamentals of his profession into question: Architecture. Possible here? Home-for-All. And the installation Gran Horizonte by Urban-Think Tank on the Torre David was named best submission. In a pop-up restaurant, a presentation of photographs, films, and diagrams showed how an organized occupation largely repurposed an empty high-rise in Caracas—constructed originally for a bank but never completed—as a residential building some years ago. The presentation by Urban-Think Tank, which is based in Caracas and Zurich, drew on a complex investigation of social phenomena in Caracas and led to an intense conflict with the country’s government agencies, which saw the submission as critical of official socialist housing policies. Two architects and their team in Zurich studied this self-organized housing experiment with some 3,000 participants. Their investigation serves as a clear signal of how architecture can reposition itself as a discipline in the face of dramatic developments in informal construction. No pat solutions or lofty promises of a better future were delivered by this analysis. Instead, the architects examined complex questions in order to return to the basis of that social reality from which the discipline has largely removed itself. Because such an approach challenges the publicly established role of architecture as a loyal accomplice of politics, the work was criticized from official positions as well. It made Architecture uncomfortable.

3. SMALL SCALE = BIG CHANGE?

In 2010, Urban-Think Tank numbered among eleven architecture firms that were presented in the Museum of Modern Art’s exhibition Small Scale, Big Change: New Architectures of Social Engagement. This exhibition sought to delineate important tendencies and positions in contemporary architecture, looking at completed or proposed projects that were distinguished by their active orientation toward the social dimension of construction. The MoMA exhibition took on additional significance with the US economic crisis unfolding in the background. Even the daily papers made clear at the time that the “starchitect”—and architecture as a whole—had tumbled along into the crisis. The museum’s position is of particular significance in this respect, as it was MoMA itself that minted the International Style (an inauguration that simultaneously announced the museum’s own authority in the field of architecture). But even as far back as 1964, the curator Bernhard Rudowsky had attempted to shed light on different traditions—that is, non-modern traditions—of vernacular construction in his MoMA exhibition, Architecture without Architects, and thereby to unsettle the singular authority of the International Style. His exhibition demonstrated not only the beauty, but also the ecological and social integrity of an architecture that grows out of local materials and traditions, an approach to the practice that could be read as a counter-position to a modernism that had become, by that time, ever more ossified in formalisms. While the exhibition indirectly challenged the stars of contemporary architecture, it made no concrete indication as to how these vernacular approaches could be applied in contemporary practice—let alone in the context of America. With Small Scale, Big Change 36 years later, the museum was able to reformulate its own position on architecture. The museum did not use its authority and popularity in architectural matters to decree a new, elite style, but rather, to present society with questions about the reach of architecture with concrete, contemporary examples. The exhibition came to serve as a platform on which separate positions were brought into a public dialogue and given increased recognition.

4. ENGAGED AND APOLITICAL?

Small Scale, Big Change presented various architectural approaches that held similar ethical values and goals without aligning with a particular political direction—neither individually nor as a group. This also applies to the numerous comparable examples that other exhibitions and publications have drawn attention to since then. Unlike their precedents from the early modern period, these projects do not aim to improve the overall living conditions of a society, working instead to change spatially defined situations through tangible architectural means and plans, irrespective of political conditions. Compared with their historical predecessors, these new approaches prove to be more pragmatic than programmatic. That such measures can be politically instrumentalized, however, can be seen in the example of the Metro Cable in Caracas. Proposed by Urban-Think Tank, the cable car was used by the government as propaganda in order to win more votes in the favelas.

Even if the various examples of socially engaged contemporary architecture don’t share a political or ideological background, one can identify at least two themes that serve as intersections. The projects clearly orient themselves toward questions of local and social contexts for one, but an attention to global issues can be seen as well. The search for the best materials and construction methods for each respective project is a prime example of how the question of local context is broached. Here, research into the tradition of earth-based construction plays an important role. This millennia-old practice fell in estimation during the twentieth century, despite having always offered many ecological and economic advantages in underdeveloped countries. The work of Anna Heringer, Emilio Caravatti, and Francis Kéré is pioneering in this regard, as it breathes new life into earth construction, provides training in construction crafts, and incorporates participatory processes. What’s more, such high-quality architectural design puts the high aesthetic value of this material on display. The knowledge of such practitioners is partially based on the research and practical experience of Martin Rauch, an earth architecture expert based in Voralberg, Austria, making clear that the local traditions of developing nations can, on occasion, be indirectly revived through renewed attention and appreciation in industrialized nations. When renowned institutions like the Aga Khan Foundation distinguish such regionally anchored projects with prizes, global public attention usually follows. These projects make the value of the tradition visible to the local communities in which they are built, just as they enable the local society to truly identify with the buildings. The deeper success of such projects can be seen in the additional buildings that the same architects have subsequently designed on site or nearby. This has been the case for Francis Kéré, who is currently building his sixth successive project in his hometown of Gando in Burkina Faso after completing his first primary school there. Projects by MASS Design Group, Anna Heringer, and many others have achieved very similar results. These projects are not about one-off deliveries of aid or relief, but rather about sustainable engagement (e. g. the multi-layered processes set in motion by the inclusion of local craftsmen and communities). The design-build studios as well, which have been developing at many universities in industrialized countries for years to help students develop practical solutions, are creating the basis for change across multiple levels. Many of these projects have led to concrete follow-up projects as well, and with that, to the formation of sustainable networks on site. Or they have become permanent institutions, as is the case of Rural Studio in Alabama, which has combined training and practical social engagement in architectural practice for more than 20 years now and in more than 150 built projects. The Baupiloten from the TU Berlin led by Susanne Hofmann also impart an exemplary and praxis-oriented form of engaged education.

5. HISTORICAL ROOTS AND THEORETICAL PERSPECTIVES

While contemporary approaches to socially engaged architecture have been winning increased public attention for some time now, there is still a complete lack of a historical perspective on these developments. This applies both to the architects’ own reflections on their projects as to the publications about them thus far. It is urgently necessary, however, to investigate contemporary tendencies and their historical roots, so as to uncover both historical continuities and new directions. The lack of a comprehensive history of the design-build studio was recently made clear at the first worldwide conference on the subject at the TU Berlin in December 2012. But this absence of historical context is clear in other regards as well. For example, ideas like “incremental housing,” coined by Alejandro Aravena and his firm Elemental, are direct descendants of approaches rooted far back in history—this one already presented in Martin Wagner’s 1932 exhibition, Das wachsende Haus, in Berlin. Alejandro Aravena has yet to mention such conceptual reference points in his public speeches or writings. Similarly, the connection between Francis Kéré, Emilio Caravatti, and Anna Heringer’s earth architecture projects to the theoretical and practical approaches of Hassan Fathy and other experts in this field have yet to be discussed, let alone by the architects themselves. The failure to clearly position these approaches within a historical perspective corresponds to the persistent absence of a shared theoretical basis. The architects currently dedicated to socially engaged architecture have yet to issue any joint theoretical statement, manifesto, or program. This may seem logical, considering the various and, to an extent, very individualistic approaches being taken. But such disunity threatens to obscure the movement among its individual positions. The projects highlighted here have garnered attention across the globe, and yet—in public perception, public policy, and the field of architecture itself—this new wave of socially engaged architecture stands at risk of failing to have the impact that it could.

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