ARCH+ 208


Erschienen in ARCH+ 208,
Seite(n) 177-192

ARCH+ 208

ARCH+ features 14: Reduce/Reuse/Recycle. Ressource Architektur

Von Petzet, Muck /  Grcic, Konstantin /  Overmeer, Erica /  Heilmeyer, Florian /  Kuhnert, Nikolaus /  Ngo, Anh-Linh

Am 29.8.2012, dem offiziellen Eröffnungstag der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig, fand die 14. Veranstaltung der Diskursreihe "ARCH+ features" als Doppelführung durch die Pavillons der Schweiz und Deutschlands statt. Allerdings hatten das deutsche Team mit Muck Petzet, Konstantin Grcic und Erica Overmeer sowie Miroslav Šik, offizieller Teilnehmer der Schweiz an der Biennale, die Aufgabe, nicht durch den eigenen, sondern durch den jeweils anderen Pavillon zu führen. Ziel war es, durch die Interpretationsebene die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Länderbeiträge im Hinblick auf das Motto der Gesamtbiennale "Common Ground" herauszuarbeiten. Mehr Informationen, Bilder und Videos zur Veranstaltung in Venedig finden Sie hier: ARCH+ features 14: Architekturbiennale Venedig 2012

 

Das ARCH+ feature über den deutschen Beitrag zur 13. Architekturbiennale in Venedig bot uns die Gelegenheit, in Form eines ausführlichen Gesprächs mit den Machern das Konzept der Ausstellung zu beleuchten und die Inhalte und Themen historisch und diskursiv zu kontextualisieren:

„Wo bleibt da die Architektur?“ „Was für ein hässliches Bild von Deutschland zeigt Ihr?“ Dies waren zwei symptomatische Fragen, die das Unverständnis der versammelten Architekturjournalisten auf der Pressekonferenz des deutschen Beitrags zur diesjährigen Architekturbiennale zum Ausdruck brachten. Sie fühlten sich durch das Konzept von Muck Petzet und Konstantin Grcic sowie besonders von den dokumentarischen Fotografien von Erica Overmeer provoziert. Fotografien, die eine emphatische Sicht auf den urbanen Alltag, der uns umgibt, vermittelten und nichts mit der überhöhenden Architekturfotografie zu tun haben, die normalerweise von Architekten beauftragt und freigegeben wird.

Für uns war dies eine hochinteressante Situation, da sie die schizophrene Sichtweise auf das vermeintlich biedere Thema „Bauen im Bestand“ widerspiegelte: Einerseits versicherte jeder Fragesteller, dass es politisch korrekt und sympathisch sei, dass man sich mit diesem „alten“ Thema auf internationaler Bühne beschäftige. Andererseits wollte man auf eben jener Bühne ein Bild von Architektur (Architektur mit großem A) und von Deutschland bestätigt sehen, das möglichst einnehmend und repräsentativ sein soll. Wie wolle man da neben Frankreich und England bestehen, war eine weitere bange Frage. Niemand interessierte sich für das eigentliche Thema, das zur Debatte stand, nämlich die Schönheit des Alltäglichen, und der Horizont, der das Vorgefundene aufspannt. Man schoss sich stattdessen auf das vermeintlich hässliche Bild ein, dass da von Deutschland gezeichnet werde.  

ARCH+: Um die Diskussion zu eröffnen, würden wir vorschlagen, dass Sie kurz Ihr Konzept für den deutschen Beitrag zur 13. Architekturbiennale skizzieren.

Muck Petzet: Grundsätzlich besteht das Konzept darin, den Gebäude- und Infrastrukturbestand als zentrale architektonische Ressource für die Gestaltung unserer Zukunft bewusst zu machen. Wir wollen eine affirmative Haltung gegenüber dem Vorhandenen propagieren und durch einen Perspektivwechsel eine Umwertung erreichen.

Wir übertragen die Sichtweise der Abfallvermeidung auf den Umgang mit vorhandenen Gebäuden. Der Titel der Ausstellung verweist auf ein erfolgreiches Beispiel für eine fundamentale Haltungsänderung, die wir alle in den letzten Jahrzehnten erlebt haben: die Umwertung von Müll zu Wertstoff. Der von der Umweltbewegung geprägte Slogan „Reduce/Reuse/Recycle“ bildet die sogenannte „Abfallhierarchie“: Mit Reduce steht an erster Stelle die Verringerung des Abfallvolumens – die Abfallvermeidung. Danach folgt Reuse, also die möglichst direkte Weiterverwendung, und erst an dritter Stelle kommt die materielle Umformung durch Recycling. ....

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