ARCH+

Zeitschrift für Architektur und Urbanismus

Kurzfassung

ARCH+ ist eine unabhängige, konzeptuelle Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. Der Name ist zugleich Programm: mehr als Architektur. Jedes vierteljährlich erscheinende Heft beleuchtet eingehend ein besonderes Thema und greift dabei aktuelle Diskussionen aus anderen Disziplinen in Hinblick auf architektonische und urbanistische Fragestellungen auf. Gegründet im Gefolge des 1968er Aufbruchs, liegt der Schwerpunkt von ARCH+ auf der kritischen Reflexion des gesellschaftlichen Anspruchs der Architektur. Die Zeitschrift sieht sich damit als Katalysator experimenteller Praktiken. Vor diesem Hintergrund war das Redesign von ARCH+ im Jahre 2008 durch Mike Meiré das Ergebnis einer inhaltlichen Vorarbeit, begonnen im Rahmen des Zeitschriftenprojekts der Documenta 12, mit der sich die Redaktion schrittweise der Frage nach dem heutigen Selbstverständnis und dem Potential einer kritischen Architekturzeitschrift als Vermittler zwischen Architektur, kulturellem, politischem und gesellschaftlichem Diskurs genähert hat. Damit begibt sich ARCH+ vor dem Hintergrund der digitalen Omnipräsenz vernetzten Wissens erneut auf die Suche nach neuen Formen der Wissensvermittlung, um gesellschaftsrelevante architektonische und urbanistische Problemstellungen zu verhandeln. Heute agiert ARCH+ als Diskursplattform in der Verschränkung von Zeitschrift und unterschiedlicher Medien wie Ausstellungen, Preise, Symposien, Veranstaltungsreihen, Kooperationen.

 

Langfassung

ARCH+ widmet sich seit vier Jahrzehnten kontinuierlich dem Experiment in Architektur und Urbanismus. Angesiedelt zwischen Architektur (ARCH), Stadt, Kultur und Medien (+) lotet ARCH+ vierteljährlich die Grenzen der sich wandelnden Disziplinen in Theorie und Praxis mit intellektueller Neugier aus. Als letzte von Großverlagen unabhängige, konzeptuelle Architekturzeitschrift in Deutschland ist ARCH+ einzigartig und dient als ein Forum der Auseinandersetzung. ARCH+ ist Zeitschrift, Internetplattform, Projekt.

Jedes ARCH+ Heft ist einem besonderen Thema gewidmet, das im Wechselspiel von Artikeln und Projekten entfaltet wird. Die Heftthemen sind immer auch als Transfer oder Brückenschlag zwischen verschiedenen Wissensbereichen konzipiert. Sie integrieren aktuelle Diskussionen aus den Sozial- und Naturwissenschaften, Ökonomie, Philosophie und Kunst in das Arbeitsfeld des Architekten, sei es bei der Entwicklung neuer Wohnkonzepte, Organisationsformen der Arbeit, urbanistischer Modelle, bei Problemen des Umgangs mit Mobilität, Natur und Landschaft, bei der Neudefinition von Bauaufgaben und -typen oder auch bei Fragen der Formgebung und Raumwahrnehmung und des Umgangs mit Material.

 

Themen und Schwerpunkte

Die Zeitschrift setzt ihren Schwerpunkt auf dem fließenden Übergang zwischen Architektur (ARCH), Stadt, Kultur und Medien (+). Das redaktionelle Selbstverständnis der Zeitschrift liegt bei einer Fortsetzung der Moderne (und der Kritik an der Postmoderne). ARCH+ ist die letzte von Großverlagen unabhängige, konzeptuelle Architekturzeitschrift in Deutschland. ARCH+ ist Teil des Redaktionsnetzwerks documenta 12 magazines der documenta 12.

Jedes Heft ist einem besonderen Thema gewidmet, das bestimmte Projekte beschreibt und bewertet. Die Themen umfassen Diskussionen aus den Sozial- und Naturwissenschaften, Ökonomie, Philosophie und Kunst in Hinblick auf Architektur bei der Entwicklung neuer Wohnkonzepte, Organisationsformen der Arbeit, urbanistischer Modelle, bei Problemen des Umgangs mit Mobilität und Verkehr, sowie Natur und Landschaft, bei der Neudefinition von Bauaufgaben und -typen oder bei Fragen der Formgebung und Raumwahrnehmung und des Umgangs mit Material.

Die Rubrik Zeitung informiert über das aktuelle Architekturgeschehen, die internationale Diskussion, über Wettbewerbe, Ausstellungen, Tagungen und Neuerscheinungen.

Der Baufokus ist als baupraktischer Service für Architekten konzipiert. Er informiert über Technologien und Verfahren, Baustoffe, Konstruktionen, Details, Hersteller und Messen. Demgegenüber konzentriert sich die Produktschau auf das Design, wobei die Palette von den Klassikern bis zu den jungen Wilden, vom Wohnen bis zum Bürobau, vom Licht über Sanitärausstattung bis zu Alltagsobjekten reicht.

Redaktion

Die Redaktion Berlin besteht aus Nikolaus Kuhnert und Anh-Linh Ngo. Redakteurin in Aachen war bis Mai 2016 Sabine Kraft (†).

Ständige Mitarbeiter sind Florian Böhm, Joachim Krausse, Arno Löbbecke, Martin Luce, Julia von Mende, Philipp Misselwitz, Philipp Oswalt, Susanne Schindler, Angelika Schnell, Werner Sewing, Stephan Trüby, Jan Wurm.

Die Art Direction hat Mike Meiré inne. Das Design wird von dessen Agentur Meiré und Meiré (Designer: Tobias Tschense und Charlotte Cassel) stetig weiterentwickelt und jeweils den Heftthemen angepasst.

 

Geschichte

Gründungsphase 1968–1972
Mitte 1967 gründeten die Studenten und Assistenten der Universität Stuttgart Ulrich Bäte, Peter Dietze, Dieter Hezel, Wolfram Koblin, Peter Lammert, Gernot Minke, Aylâ Neusel und Stephan Waldraff aus dem Umkreis von Max Bense die Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung; das erste Heft erschien im Januar 1968. Zu den Mentoren gehörten Dieter Hoffmann-Axthelm, Julius Posener, Otl Aicher, Bruno Schindler, Joachim Krausse und Vilém Flusser.

ARCH+ verstand sich als Diskussionsforum, das der Verwissenschaftlichung der Architektur dient. Die Aussage, daß Architektur selbst keine Wissenschaft sei, tauchte im ersten Heft auf. Obwohl die Zeitschrift während der Studentenunruhen gegründet wurde, waren die Themen zunächst nicht primär politisch. In der ersten Phase waren technokratische Themen wie Planungstheorie, Semiotik, Mathematik und Kybernetik, Entwerfen mit Algorithmen und Mengenlehre bestimmend. Wissenschaft wurde als Medium der Subversion empfunden. Auch die Diskussion um die Studienreform war ein Anliegen von ARCH+ zu jener Zeit. Zusätzlich zur ARCH+ erschien alle 14 Tage ein Spontanblatt, das als regelmäßiges Flugblatt an der Uni verteilt wurde. Die Autoren und Redakteure arbeiteten ohne Honorar. ARCH+ ist bis heute kein Werk von Journalisten, sondern verfolgt akademische Ansprüche. 1969, nach dem Scheitern der Studentenunruhen, war die Existenz von ARCH+ gefährdet. Es erschienen einige Nothefte.

           

 

Phase der Umorientierung und Politisierung 1972–1976
Aus Stuttgart waren nur noch die Redakteure (Christoph Feldtkeller, Wolfgang Ehrlinger, Heinrich Stoffl, Jörg Pampe dabei. Neben Stuttgart entstanden in Aachen und (West-)Berlin weitere Redaktionsstandorte. Aus Aachen kamen Marc Fester, Nikolaus Kuhnert, Adalbert Evers und Sabine Kraft und aus Berlin Helga Fassbinder, Klaus Brake und Renate Petzinger dazu. Die neuen Mitarbeiter übernahmen die Zeitschrift. Die Berliner und Aachener machten aus ARCH+ eine Kampfzeitschrift des universitären Milieus in der die Architektur gnadenlos soziologisiert wurde. Der Vertrieb der Zeitung wechselte vom Karl-Krämer-Verlag zu VSA (Verlag für das Studium der Arbeiterbewegung). Mit Heft 28 taucht zum ersten Mal ein Motiv auf dem Titelblatt auf. Dieter Masuhr, ein Berliner Künstler, prägte in den folgenden Jahren mit seinen Federzeichnungen das Erscheinungsbild. Die Gründung des ARCH+ Verein zur Erforschung des Verhältnisses von gebauter Umwelt und gesellschaftlicher Entwicklung war Machtkämpfen und Auseinandersetzungen unter den Redaktionsgruppen geschuldet. Die Kampfphase endete mit dem Austritt von Brake, Fassbinder und Petzinger in 1977. ARCH+ entging auf diese Weise dem Aufkauf und Unterwanderung durch die DKP.

           

 

Phase der Ästhetik und Postmoderne 1977–1986
Es verblieben Evers, Fester, Kraft und Kuhnert in der Redaktion. Neu hinzu kamen Werner Durth, Günther Uhlig und Friedemann Gschwind. Druck und Vertrieb wechselten zur alternativen Druckerei Klenkes in Aachen. Erst in dieser Phase wurde ARCH+ zu Themenheften. In Heft 57/58 erschien ein Artikel von Leon Krier erstmals als Werkbericht. ARCH+ entwickelte sich zu einer "kritischen Architekturfachzeitschift".

           

 

Phase der Erneuerung 1986–1992
ARCH+ verabschiedete sich von der Postmoderne auch von einem Großteil der Leser. Damit einher ging eine Rückbesinnung auf die Moderne als Fortsetzung eines philosophischen Projektes. Zu Heft 68 erschien erstmals die Rubrik Zeitung, in Heft 78 die Rubrik Baumarkt: Man durfte wieder bauen. 1987 wurde Berlin zum zweiten Redaktionsstandort. Wolfgang Wagener (1986-1990), Philipp Oswalt (1988-93), Angelika Schnell (1990-2001) und Andreas Bittis (1991-2001) wurden mit einer Abkehr vom Wertekonservatismus jeweils zur dritten Kraft in der Redaktion. Statt Einzelkämpfern gab es nun Arbeitsgruppen ohne hierarchische Strukturen. Der Generationskonflikt zwischen 68ern und Post-68ern ist in der Redaktion weitgehend ausgeblieben. Mit Rem Koolhaas, Zaha Hadid, Daniel Libeskind und Bernard Tschumi kam die Vision eines fortschrittlichen und modernen Europa zurück. Die Zeitschrift für Architekten, Stadtplaner, Sozialarbeiter und kommunalpolitische Gruppen wurde 1986 zur Zeitschrift für Architektur und Städtebau. Arch+ gelang seit 1990 die Propagierung des Öko-Tech. Einen Höhepunkt bildete das Heft 111, mit dem Vilém Flusser, Philosoph des elektronischen Zeitalters, in Deutschland bekannt wurde. Nach der Wiedervereinigung erhielt Arch+ durch Otl Aicher neue Impulse. In Rotis wurde das neue ARCH+ Layout entwickelt. Nach Aicher wurde auch die Rotis-Schrift eingeführt, in welcher später auch das Logo geschrieben wurde.

          

 

Phase Amerika und zurück 1992–2003
Die USA rückten seit Beginn der 90er Jahre verstärkt ins Blickfeld, nicht zuletzt aufgrund der intellektuellen Stagnation in Europa. Die Hefte, die seit 1993 amerikanische Texte in Erstveröffentlichung nach Deutschland brachten, illustrierten Begriffe, wie Ereignis, Komplexität oder Faltung mit europäischen Projekten. ARCH+ versuchte sich als eine Brücke zwischen den USA und Europa zu etablieren. Doch die 1994 eingeführte Zweisprachigkeit blieb ohne Erfolg, dennoch blieb die Distanz zur deutschen Debatte. Bezeichnenderweise war das Heft 122 Von Berlin nach Neuteutonia, das die Kritik an den Entwicklungen in Deutschland am schärfsten formulierte, das erfolgreichste in der Geschichte der Zeitschrift.

Mit Ausgabe 166 erfolgte eine Umbenennung von ARCH+ in archplus (die mit Ausgabe 186/187 wieder rückgängig gemacht wurde). Mit den Redakteurinnen Susanne Schindler (2001-2003), Schirin Taraz-Breinholt (2001-2004) und Julia von Mende (2005-2007) baute die Redaktion den Bezug zu Architekturentwicklungen im deutschsprachigen Raum aus (Off-Architektur, Hefte 166 und 167). Die Nachwuchsförderung wurde mit dem ARCH+ Preis für beste Diplomarbeiten verstetigt. Ein dritter Schwerpunkt – Studienmaterialien mit "Gebrauchswert" (Formfindung  159/160, Material 172, Wohnen 176/177, Klima 184) – wurde ausgebaut.

          

 

Seit 2004
ARCH+ befindet sich in einer neuerlichen Umstrukturierungsphase und der weiteren Professionalisierung. Ab 2004 verstärkt Anh-Linh Ngo die Redaktion. Das Erscheinungsbild wurde mit dem Art Director Walter Schönauer neu geprägt. Die Zeitschrift erweitert sich um Forschungsprojekte, Partnerschaften und internetgestützte Publikationsformen. Das Feld einer klassischen Fachzeitschrift wurde weiter aufgebrochen. Die Teilnahme von ARCH+ am Zeitschriftenprojekt der Documenta 12 im Jahre 2007 markierte einen Schritt in der Weiterentwicklung der Zeitschrift. Mit dem Projekt THE MAKING OF YOUR MAGAZINES und der gleichnamigen Ausstellung im KulturBahnhof Kassel begann eine Neuausrichtung der Zeitschrift, die auf der Aufarbeitung und Reflexion der Geschichte der Zeitschrift basiert.

          

 

Seit 2008
Basierend auf den Vorarbeiten im Rahmen von Documenta 12 Magazines und anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Zeitschrift fand 2008 ein Relaunch statt. Mit dem neuen Art Director Mike Meiré erfolgte die Rückkehr zum ursprünglichen Logo ARCH+ sowie ein Redesign der Zeitschrift. Meiré führte die Futura, die in der Anfangsphase das Erscheinungsbild von ARCH+ geprägt hat, wieder ein. Die Hefte wurden verstärkt auf Projektbasis gemacht und externe Kooperationspartner eingebunden, um eine inhaltliche Erweiterung der Themen und Sichtweisen zu ermöglichen und andere Vermittlungsebenen und Medien zu erschließen, die über die Zeitschrift hinausgehen. Der Aktionsradius der Zeitschrift wurde durch Symposien, Konferenzen, Ausstellungen, Wettbewerbe erweitert.

          

 

Aktuelle Projekte
Seit 2009 ist ARCH+ offizieller Kooperationspartner der Internationale Bauausstellung Hamburg und organisiert in diesem Rahmen inhaltlich zwei Realisierungswettbewerbe zu den Themen Smart Materials und Smart Price. Ziel ist die Realisierung vorbildlicher Modellbauten im Rahmen der IBA Hamburg bis 2013.

2010 kooperierte ARCH+ mit dem Institut für Auslandsbeziehungen, um die Ausstellung Post-Oil City sowie die gleichnamige Ausgabe ARCH+ 196/197 zu realisieren. Die von ARCH+ kuratierte Ausstellung war eine der erfolgreichsten in der Geschichte der ifa-Galerie. Ab 2011 wird die Ausstellung in einer englischen Fassung für 5 Jahre auf Tour gehen. Die erste Station wird der UIA-Kongress in Tokio sein.

Anfang 2011 wird ARCH+ in Kooperation mit der Ausstellung Grand Paris, die vom Institut Français und der Alfred Herrhausen Gesellschaft ans Kulturforum nach Berlin geholt wird, eine Ausgabe über Berlin erarbeiten.

2011 wird ARCH+ in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Düsseldorf und dem BDA Düsseldorf die Ausstellung Krise der Repräsentation und das gleichnamige Themenheft realisieren.

  

 

Quelle: Diese Darstellung basiert teilweise auf dem Eintrag auf Wikipedia.

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