Dass Bauen nicht nur die Lösung, sondern auch die Ursache drängender Probleme darstellt, ist keine neue Erkenntnis. Schon während des mittlerweile legendären internationalen Architekturtheorie-Kongresses, zu dem der Dekan der Architekturfakultät Oswald Mathias Ungers 1967 an der TU Berlin geladen hatte, entrollten Studierende vor hunderten Zuhörer*innen das Transparent „Alle Häuser sind schön, hört auf zu bauen“.1 Wenige Jahre später stemmten sich Bewohner*innen der kaputten Mietskasernen in West-Berlin durch Instandbesetzungen gegen die Kahlschlagsanierung der Altbauquartiere, die neuen Infrastrukturbauten und funktional vom Rest der Stadt abgeschnittenen Wohnkomplexen weichen sollten.2 Die Praxis der Instandbesetzung wurde im Zuge der Internationalen Bauausstellung 1984/87 legalisiert und löste ein neues Paradigma im Umgang mit der Stadt aus: die sogenannte „behutsame Stadterneuerung“. Instandbesetzungen sind somit ein wichtiger Bezugspunkt der großen Reparatur, nicht zuletzt, weil sie in ihrem Widerstand gegenüber Abriss und mit der Reparatur des Bestands durch Selbsthilfe auch ein soziales und politisches Projekt waren.