Ein Heft und eine Ausstellung über die Geschichte der Zukunft der Stadt? Klingt vermessen. Wir meinen jedoch, dass es sich lohnt, auf dem Weg in die Zukunft einen Umweg zu machen. Wir behaupten, dass viele der zeitgenössischen Zukunftsszenarien für die nachfossile Stadt in den Utopien der Moderne angelegt sind. Und wir glauben: Visionen sind Optionen für die Zukunft. Aber Visionen sind auch Optionen auf die Zukunft.
Die beiden Bedeutungsebenen des Begriffs Option, einerseits als Wahlmöglichkeit und andererseits als Zugriffsrecht auf etwas Zukünftiges, stecken die Bandbreite der Argumentation des Heftes ab. Angesichts des grundlegenden Wandels, der mit der drohenden Klimakatastrophe der Menschheit ins Haus steht, und der Unfähigkeit der Politik bei der Findung von Lösungen mitzuwirken (siehe das spektakuläre Scheitern der Klimakonferenz in Kopenhagen), ist ein Denken in Alternativen wichtiger als je zuvor. Alternativen im Sinne von Möglichkeitsräumen, von Imagination, von Was-wäre-wenn-Fragen, nicht im Sinne einer reduktionistischen Entweder-oder-Entscheidung nach dem Motto: entweder wir halten die Zwei-Grad-Grenze ein oder alles ist verloren. Schließlich erinnert Mike Davis im Heft daran, dass der Klimawandel die soziale Frage der Zukunft ist und wir angesichts dessen ein „Gebot zur Utopie“ haben. Denn das Heft heißt zwar „Post-Oil City“, aber nicht nur die Zukunft der Stadt, sondern die des Planeten steht auf dem Spiel.
Pressestimmen: Süddeutsche Zeitung, 3.2.2010: "Einen guten Ausgangspunkt auf der Suche nach der Zukunftsstadt bietet dabei die Ausstellung „Post-Oil City” in der ifa-Galerie Stuttgart, die später weiter nach Berlin ziehen wird. Denn diese liefert nicht nur mit Zeitleisten zur Stadtentwicklung, dem Verkehr und Energieverbrauch seit Ende des 19. Jahrhunderts die nötigen Eckdaten für das junge, so gefräßige Phänomen Großstadt, sondern zeigt gleichzeitig, wie alt viele Ideen für eine grüne Metropole schon sind... Doch, das macht die Stuttgarter Ausstellung, die in Kooperation mit der Zeitschrift für Architektur und Städtebau ARCH+ entstand, ebenfalls deutlich: Sobald das Öl wieder floss und der wirtschaftliche Ansporn fehlte, verschwanden die innovativen Ansätze sofort wieder in der Schublade, bis das nahe Ende der fossilen Energiequellen und die fatalen Auswirkungen des Klimawandels sie jetzt wieder hervorholten. Umweltschutz funktioniert eben nur, wenn er sich auszahlt."
Detail, 1.2.2010: "Klimawandel, die Endlichkeit fossiler Energien sowie die Finanz- und Systemkrise lassen die neuen Stadtplanungen zu einem Versuchslabor nicht nur für ökologische, sondern auch für gesellschaftliche Veränderungen werden." Artikel online lesen
Stuttgarter Zeitung, 29.1.2010: "Kann eine Ausstellung zu einem besseren Zeitpunkt kommen?" Foto: Stuttgarter Zeitung/Honzera. Artikel online lesen DeutschlandRadio Kultur, 28.1.2010: "Die Zukunft ist noch eine ganze Weile hin, aber Städte der Zukunft ohne Öl, eine Ausstellung in Stuttgart, zeigt konkrete Vorhaben und gewagte Denkmodelle von morgen an und bis zum 20. März."